Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
426
JPEG-Download
 

426

Fabrikation geblasener Spiegel.

der untere Rand des Cylinders hierdurch nahezu die Gestalt einer -n gewann.Die über die Rollen laufende Kette, an der die Pfeife und das Werkstück hingen,wurde jetzt wieder nachgelassen, die halb aufgeschlitzte Walze auf eine rinncnför-mige Tragbahre aus starkem Eisenblech niedergelegt, und in solcher Lage durch einwenig Wasser, das auf die oben erwähnte Einschnürung vor der Pfeife gebracht,und einige kurze Schläge auf letztere, von ihr getrennt.

Unterdcß hat ein Gehilfe an einem starken Bindeeisen, in mehreren Posten,eine andere Portion Glas aufgenommen, und dieses durch Hin- und Herwälzenund gelegentliches Niederstampfen auf der Marbelplatte, zu der Form einer Krücke,wie solche Fig. 184 zeigt, geformt. Er wärmte die vordere Fläche dieser Krücke(Pontil) von Neuem an, preßte sie dergestalt gegen das ihm zugekehrte zusammen-gedrückte Ende der mit ihrer Bahre unterdeß umgedrehten, halb aufgeschlitztenWalze, daß das Bindeeisen in die Verlängerung ihrer Achse, die gläserne Krückesenkrecht auf den unverändert gebliebenen Durchmesser des ursprünglichen unterenRandes der Walze zu liegen kam. Das heiße Glas klebte rasch aneinander, undkonnte dann, sobald diese Verbindung die genügende Haltbarkeit erlangt, die Walzeam Bindeeisen aufgenommen, und nunmehr auch die von letzterem abgekehrte Hälfteangewärmt und in oben beschriebener Weise aufgeschnitten werden, wobei manindeß, zwischen den beiden einander entgegenlaufenden Schnitten, ein kleines Stück,denSteg", »»durchschnitten ließ. War dann auch dieser Schnitt geführt, sowar damit die Arbeit der Glasmacher beendet, das Glas wurde wieder auf dieoben erwähnte Tragbahre niedergelegt, durch ein paar kurze Schläge auf dasBindeeisen von der vor diesem befindlichen Krücke getrennt, und unverzüglich indie Borwärmeabtheilung des Streckofens eingetragen.

Bestand die Aufgabe des Streckens bei dem bisher betrachteten Tafelglasenur darin, die aufgesprengte Walze auszubreiten, und die hierdurch gewonneneTafel zu ebnen, so war sie hiermit beim geblasenen Spiegelglase nicht gelöst; beiihm haben wir es neben dem Ebenen mit einem Strecken im Sinne einer Ver-größerung derOberflächc, und zwar nach ihren beiden Dimensionen, zu thun.Fertig erblasen zeigte die Walze nämlich weder die Länge noch die Breite desverlangten Spiegelformats, dafür aber eine Stärke, die weit über die erforderlichehinausgehend, bei großen Gläsern oft 2 bis 3 om noch überstieg.

Wie die beschriebenen alten Tafelglasstrecköfen mit festen Steinen, so bestandauch der gewöhnlicheSpiegelstreckofen aus zwei an einander gebauten, und nurdurch eine bis nahe auf die gemeinschaftliche ebene Sohle hinabreichende Zwischen-wand getrennten Räumen, dem Streck- und dem Kühlraum, in denen, mit ihrer einenKante aneinander stoßend, die großen, ebenen, unbeweglichen Bodensteine lagen.Bis zu vollem Erweichen vorgewärmt, gelangte nun die aufgeschnittene Walzeauf den, um das Anbacken des Glases zu verhindern, sandbestreuten Streckstein.Hier wurde derSteg" durchgerissen, das Glas ausgebreitet, mit schweren eisernenStreckstangen, mit dem Bahnende eines großen Hammers ähnlicher, ebenfallseiserner Krücke, breitgedrückt, mit langarmigen Zangen gereckt, und hierdurch erstallmälig auf das gewünschte Format gebracht. Drohte bei diesem langwierigenVerfahren dem Strecker das in Arbeit befindliche Glas im heißen Streckraumezu weich zu werden, so schob er es zeitweilig in den Kühlraum hinüber, brachte