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Gewalztes Spiegelglas.
Arbeitern betriebenes Etablissement zu Ravenhcad bei Prescot (Lancashire)anlegte. Diese Ravenheader Fabrik hat sich ein selbstständiges Verdienst um dieSpiegclfabrikation erworben, da sie die früher ausschließlich durch Handarbeitbesorgten Processe des Schleifens und Polirens des Glases mehr und mehr durchMaschinenarbeit zu ersetzen mit bestem Erfolge bestrebt gewesen ist, und zu solchemZwecke bereits 1788 eine Dampfmaschine (die zweite, die aus den Werken vonWatt in Birmingham geliefert) bestellte.
England ist noch bis auf den heutigen Tag der bedeutendste Consumcntgewalzten Glases, und so konnte es nicht fehlen, daß Concurrenzfabriken ins Lebentraten, die in möglichst billige Erzeugung der gesuchten Waare den Schwer-punkt ihres Strebens legten. Nach einander entstanden dann die Union kluts61s.» 60 . zu St. Helms" (Birmingham), I^onäon nnct Nauollsstsr?I. 64. 6 o. zu Sutton" (Lancashire) LirininKÜsin 16. 61. Oo. zu Smel-hivuk" (Birmingham) und die Pllamss?1uts-61s,8 FVorüo zu Blackwallbei London, letztere gegründet 1835. Auch die bereits erwähnte, Swinburne andCo. gehörige Spicgelfabrik zu South Shields (Ncwcastlc) gab ihr altes Verfahrenauf, und ging zu der Erzeugung gewalzten Glases über. Nach dem französischenofficiellen Bericht über die Pariser Weltausstellung von 1867 bezifferte sich diePrvductivn der genannten sechs Anstalten bereits damals auf etwa 350 000 gmgeschliffenes und polirtes Glas, zu denen noch etwa 70 000 gin Rauhglas, dasals solches in Schuppenfenstern und als Bedachung consumirt wurde, und etwa400000 gm „rotlöä xtata-glaLs", dünnes gewalztes Glas, das etwa in der zweitenHälfte unseres Jahrhunderts von England aus aufkam, hinzuzurechnen wären ^).
Weniger günstig als auf englischem Boden gedieh zunächst die Einführungder Herstellung gegossenen Spiegelglases in Deutschland. Wie bereits a. a. O.erwähnt, wurde hier 1701 durch v.Rechtskron dieSpiegelgicßcrei zuNeuhausauf der Herrschaft Fahrafeld nächst Pottenstcin (Niederösterreich) gegründet, undnach dem Muster von St. Gobain eingerichtet^). Nach v. Rechtskron's Tode fieldie Fabrik an den Staat, der sie zunächst einem Grafen Mikosch, dann einemBaron Saffran verlieh, und sie letzterem 1728 für 30000 fl. wieder abkaufte.In großartigster Weise protcgirt und unterstützt, arbeitete Neuhaus als Staats-fabrik fort, lieferte sich großen Rufes erfreuende Gläser, deren größtes ein Spiegelvon 3'00 bei 1'30 in, bedurfte aber stets neuer Staatszuschüsse, so daß bereits1811 der Antrag gestellt wurde, die kostspielige Anstalt eingehen zu lassen. Dem
tilxxositiou uuivsrsslls äs 1867 ükaris. kuxxorts än snr^ international,xubliss son la äirsstiou äs 21. Nioksl Oüsvallisr 3, x. 76. Neuere Angabenfehlen. — ch Leng: Handbuch der Glasfabrikation (Ausgabe von 1835), S. 558. Wieschwankend auch in Betreff dieser Fabrik wieder die Angaben, zeigt eine Zusammenstellungälterer Notizen über diese Anstalt, bei Lobmeyr: Die Glasindustrie, S. 153. Einmalheißt es hier, Neuhaus sei durch die Venetianer Miori u. Bratti (Miotti u. Briati),welche sich Leopold I. gegenüber erboten, Spiegel „nach Venetianerart zu verfertigen",1694 gegründet, somit zuerst auf geblasenes Glas eingerichtet worden, während ein andererAutor sogar erst das Jahr 1754 als Gründungsjahr angiebt. Nach dem Gedenkbucheder Pfarre zu Neuhaus wäre das Gründungsjahr, mit Leng's Angabe recht gut über-einstimmend, das Jahr 1700 gewesen.