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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Das Gießen und Walzen des Spiegelglases.

ist es, diesen kostspieligen Tisch durch eine abgehobelte gußeiserne, häufig aus meh-reren Theilen zusammengefügte Platte, die sich auf niedrigen starken Rädern bewe-gend, auf einem Schienenglcise läuft, ersetzt zu Habens, wie diese Fabriken fürgeeignete Construction der Apparate überhaupt viel gethan zu haben, sich mit Rechtrühmen körtnen.

Vor Beginn der Arbeit war der mittelst glühender Kohlen angewärmte Guß-tisch, wie das beistehende Fig. 188 zeigt, vor dem zur Aufnahme der zu fertigendenGläser bestimmten, bis auf dunkele Rothgluth aufgeheizten Kühlofen aufgefahren;auf ihn waren zu beiden Längsseiten, die, die Dicke des zu walzenden GlasesnormirendenLeisten" oderSchienen" (trinAlss) gelegt, über diese hin dieWalze o, die hohl und, wie der Tisch, aus Bronze hergestellt, 20 bis 25 um Durch-messer besaß, bis dicht vor den Kühlofen gerollt, und dann vor sie die beiden, dasGlas vor dem Ueberfließcn über die niedrigen Leisten bewahrendenVorhalt-eisen" oderCoulissen" (ms-irm, ooulmsss) «r-, die bei Bewegung der Walzevor ihr über die Leisten Herzugleiten bestimmt, gestellt worden.

Zur Seite des Meßtisches stand ein, in unserer Figur weggelassener, Krähn(xotones), dessen ausladender Arm um die senkrechte Säule drehbar, sich sowohlparallel der Kühlofcnwand, als senkrecht auf diese, parallel der Längsrichtung derPlatte, stellen ließ, und an dessen Kette dieHafenzange" oderHafenschlinge"(tou-Mss), eine nach beiden Seiten hin mit langen Führungsarmcn versehene Zangebefestigt wurde, in der in unserer Figur der viereckige Gießhafen hängt.

Der auf seinem Wagen bis neben den Tisch gefahrene Hafen wurde hiermit der an der Krahnkette herabgelassenen Schlinge, die sich hierbei in die Falzezn seinen beiden Seiten einlegte, gefaßt, dann mittelst kupferner Kellen sein Inhaltleicht abgeschäumt, der Hafen aufgewunden, durch Drehung des Krahns über dasdem Kühlofen zugekehrte Ende des Meßtisches gebracht, und, indem je ein Mann zujeder Seite des Tisches die langen Handhaben der Schlinge regierte, unter allmä-ligem Zurückwenden des Krahns das Glas, in möglichst gleichmäßigem Strahl,vor die durch zwei Mann gegen das freie Ende des Tisches langsam vorgcrollteWalze ausgegasten. Unter dem Drucke der Walze breitete sich die Glasmasse,deren Ansfließen in die Breite, wenn erforderlich durch ein Abkrücken hierher,unterstützt wurde, aus, und verwandelte sich, den Raum zwischen den Leisten füllend,in eine gleichmäßig dicke Tafel mit ziemlich ebener Oberfläche. Ein Ueberschußauf den Tisch ausgegossenen Glases floß endlich, hatte die Walze das freie Endeder Glasplatte erreicht, und fiel sie hier auf den Walzcnbock herab, in denunter diesem aufgestellten eisernen Trog.

War die Walze auf den Bock herabgefallen, und hier in ihre Ruhelage ge-kommen, so wurde der ihr zugewandte Rand der noch weichen Glastafel zurück-geschlagen, und dadurch hier eine dickere wulstartige Kante hergestellt, gegen diedie Arbeiter, sobald die Tafel so weit erstarrt, daß sie dem zu ihrem Abschiebenvom Meßtisch auf die ebene nnt der Oberfläche des letzteren in gleichen: Niveauliegende Sohle des Kühlofens erforderlichen Druck einigermaßen widerstehen konnte

st 1848 besitzt dann auch schon die Spiegelfabrik 2 zu St. Marie d'Oignies einengußeisernen Gießtisch von 5'3 bei 34 in Oberfläche. Polytechn. Centralbl. 1848, S. 1050.