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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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458 Schleifmaschinen für Spiegelglas.

Dieselbe Kurbelbewcgung wie der, die zur Führung des Watt'schen Flieg-rahmens dienenden Arme tragende, quadratische Mittelrahmen, hat auch der auseiner unteren Fläche mit eisernen, den Schliff ausführenden Latten belegte, großeSchleifapparat, derObertisch" einer von Franz Peters in Eupen unter anderenan dieSchlesische Spiegelmanufactur" zu Obersalzbrunn, und einige bayerischeSchleifereien gelieferten und sich bewährt habenden Schleifmaschine. Im Uebrigenunterscheidet sich diese Maschine darin wesentlich von den bisher aufgeführten, daßder, das zu schleifende Glas tragende Tisch, derAufspanntisch", auf einem, wäh-rend des Schleifens aus Schienen sich hin- und Herbewegenden Wagen ruht, wieähnliche mobile Unterlagen bei den demnächst zu besprechenden neueren Polir-maschinen vielfach in Anwendung kommen.

Neben den eben beschriebenen, und ihnen ähnlichen Schleifeinrichtungcn exi-stiren, etwa seit der Mitte unseres Jahrhunderts, andere, bei denen eine rotirendeBewegung dem die Bodengläser tragenden Tische zugewiesen ist, und das Obcrglaserst durch die Reibung auf diesem in Rotation versetzt wird. Eine solche Maschine,auf Raveuhcad etwa um 1857 zuerst angewandt, und seitdem beibehalten, beschriebDaglish in seinem bereits angezogenen Aufsätze. Auf einer verticalen Welle ruhthier 8er, in der ältesten Construction kreisrunde, an späteren Maschinen quadratischmit abgerundeten Ecken gestaltete, starke und ebene Träger des Bodenglases, oderder wie gelegentlich auch schon auf den älteren Maschinen, dicht neben einanderaufgegypsten Bodengläser, und dreht sich mit ihr, in der Horizontalen mit einerGeschwindigkeit von etwa 25 Umdrehungen in der Minute. Ueber dieser rotirendenSchleifbank ist, im Abstände von etwa 25 am, ein feststehender Balken angebracht,an dem, auf der jedesmal der Drehungsrichtung der Bodenplatte zugekehrten Seite,soniit, rechts und links vom Mittelpunkte der rotirenden Platte an der entgegen-gesetzten Längsseite des Balkens, zwei gußeiserne Zahnstangen befestigt sind, inderen Zahnlücken, während des Arbeitens der Maschine, die centralen Führungs-oder Drehungszapfen der beiden gleichzeitig verwandten Schleifkästen gelegt, undhierdurch, in einen Wechsel der jedesmaligen Entfernung vom Rotationsccntrumgestattender Weise, gegen den Balken gestützt werden können. Bei dieser Einrich-tung können sich die Schleifkästen, wie bei den früher beschriebenen Apparaten, freium ihren eigenen Mittelpunkt drehen, und ist solche Drehung, bewirkt durch diegrößere Reibung zwischen Ober- und Bodenglas in den vom Mittelpunkte desletzteren entfernten, daher mit größerer Geschwindigkeit sich fortbewegenden Theilendes Apparats, eine regelmäßige und rasche.

Zu Ravenhead angestellte Versuche die Arbeit der Maschine weiter zu beschleu-nigen, indem man auch dem das Oberglas tragenden Schleifkästen eine selbstständige,fortschreitende Bewegung ertheilte, bewährten sich nicht, dagegen waren, nachDaglish's Bericht, die mit der oben beschriebenen Schleifvorrichtung gewonnenenResultate sehr befriedigend; der Apparat arbeitete bei gleich großen schleifendenFlächen, um etwa ein Drittheil rascher als der mit Fliegrahmen, und producirteeine derartige Maschine wöchentlich etwa 1500 PL klargeschliffenen Glases. Sol-chen Leistungen gegenüber ist es ein Vorzug der Watt'schen Maschine, daß die,bei allen rotirenden Bodenplatten sehr bedeutende Abnutzung an der stehenden Welleund ihren Lagern, bei ihr sehr gering ist.