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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Versilberung des Glases.

meist mit dem Auftreten unverkennbarer Symptome einer Mercurialvergiftungverbunden. Quecksilberstaub und Dampf, deren Vorhandensein sich z. B. an Blatt-pflanzen, die, in den Belegeräumen aufgestellt, die Farbe verlieren und absterben,zu erkennen giebt, finden sich dauernd in der Luft suspendirt, und verräth sich ihreschädliche Wirkung so gut wie durchgängig auch schon in der Gesichtsfarbe ältererBeleger. Wiederholt sind daher Vorschläge gemacht worden, die gesundheitswidrigeWirkung der Arbeit in solch unreiner Luft wenigstens zu mäßigen. So wurdenvon Boussingault als Schutzmittel für den Arbeiter Respiratoren, sowohl gewöhn-licher Einrichtung, als mit fein zertheiltem Schwefel gefüllte, und ein Anbringenmit Schwefelblumen bedeckter freier Hürden in den Belegeanstalten empfohlen.

Denselben Vorschlag machte neuerdings Pappenheim wieder^). Nach Mer-get's Untersuchungen erscheint die Verwendung von Schwefel indeß als von sehrfraglichem Werthe, und empfiehlt er kleine Quantitäten von Chlorkalk, durchdessen Ausdünstung das Quecksilber in Calomel übergeführt werde, in den Belcge-anstalten aufzustellen, sowie den Arbeitern größte Reinlichkeit und nach beendeterArbeit, ein Abwäschen mit schwach chlorhaltigem Wasser vorzuschreiben 2 ). Inwie weit hierdurch aber genutzt werde, will auch noch näher constatirt fein.

Da, im Vergleiche mit den nur geringen Quantitäten Dampf, den großenMengen Quccksilberstaub der größte Theil des gesundheitswidrigen Einflusses derLuft der Bclcgeräume zugeschrieben werden muß, machte Fr. Reindcl, gestütztauf die Beobachtung W. Crookes^), daß sich das Stauben des Quecksilbers da-durch verhüten lasse, daß man ihm circa OB Proc. Natrium zusetze, den wohlge-meinten Vorschlag, nur mit Natrium versetztes Quecksilber zu verarbeiten^); indeßbemerkte schon R. Wagner hierzu, daß der Vorschlag nicht rcalisirbar erscheine,da 0'5 Proc. Natrium enthaltendes Quecksilber bereits nicht mehr flüssig, und sichüberdies, bei längerer Berührung mit der Luft, unvermeidlich mit einer Efflorescenzvon Natronsesquicarbonat überziehe °). In welcher Weise das auch wohl hier alsSchutzmittel proponirtc, von den Phosphorzündholzfabriken entlehnte, Einathmenvon Terpentindämpfen wirken soll, ist nicht klar.

Schon die so nachteilige Wirkung, die das Belegen mit Zinnamalgam, wieeben erwähnt, auf die Gesundheit der Arbeiter ausübt, bewirkte, daß der zuerstdurch Drayton im Jahre 1843 proponirtenVersilberung der Rückseite derGlasspiegcl") die vielseitigste Aufmerksamkeit zugewandt wurde, und bisher er-halten blieb. Drayton löste bei seinem Verfahren salpctersaurcs Silberoxyd indem doppelten Gewichte Wasser, versetzte diese Lösung bis zum Wiederverschwindendes zunächst entstehenden Nicderschlages mit Ammoniakflüssigkeit, siltrirte dannnach 24 Stunden, verdünnte die klare Silberlösung mit Weingeist, und versetztesie mit einigen Tropfen Cassiaöl. Nach 5 bis 6 Stunden wurde dieseLösung auf die mit einem Wachsrande umgebene Glastafel gegossen, und wurden

i) Dingler-s Journ. 1S4 (1869), 491, nach Berhandl. d. Vereins zur Beför-derung des Gewerbefleißes in Preußen 1869, S. 33. 2 ) Dingler's Journal 204(1872), S1, nach 4nri . äs slliin. st xüxs. (4) 25, 121. ») Dingler'ö Journal177 (1865), 476, nach Soisntiüs ^msrioan 1865, Juli. ^) Polytechn. Eentral-blatt 1868, S. 1187. -y Wagner's Jahresbericht 14 (1868), 386. °) Ding-ler's Journal 92, 472 und in den nächst folgenden Bänden.

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