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Versilberung des Glases.
ihr einige Tropfen einer alkoholischen Lösung von Nelkenöl zugefügt, worauf sich,im Verlaufe von 2 bis 3 Stunden, das Silber als spiegelnder Niederschlug aufdem Glase abschied.
Gelang es auch in dieser Weise, Glastafeln zu versilbern und, unter günsti-gen Umständen, in zunächst schön und gleichmäßig reflectirendc Spiegel zu verwan-deln, so zeigte sich leider, daß bald auf der Silberfläche bräunliche Flecken auftraten,die an Umfang und Intensität der Färbung mit der Zeit zunahmen, und allemAnscheine nach einer vom Silber mitgerissenen harzigen Substanz, welche, sichan der Luft oxydirend, auf das blanke Metall einwirkte, zugeschrieben werdenmußten. Soll nun auch das Auftreten solcher Flecken, wenn man die als Aldehyderedncircnd wirkenden, aromatischen Oelc von ihnen beigemengten Kohlenwasser-stoffen vorher reinigt, einer Angabe R. Wagner's nach>), vermieden werden kön-nen, so hat sich doch diese erste Drayton'sche Rcductionswcisc, so viel bekannt,keinen Platz in der industriellen Technik zu erwerben vermocht, und proponirtcbereits Drayton selbst, in einem späteren Aufsätze, an ihrer Stelle eine solche,durch Traubenzucker und zwar in der Wärme, eintreten zu lassen. Ein demälteren Drayton'schcn im Wesentlichen ganz ähnliches Verfahren ließ sich 1845L. Mark für Bayern Patentiren2), doch hatte auch er keine günstigeren Erfolgeauszuweisen. Seitdem ist die Literatur über diesen Gegenstand derartig angewachsen,daß ein auch nur kurzes Eingehen auf alle einzelnen Vorschläge die Grenzen vor-liegenden Werkes weit überschreiten würde, wir müssen uns daher hier auf dieBesprechung einiger der wesentlichsten und bestbewährten derselben beschränken.
Praktische Bedeutung gewann die Silberspiegclfabrikation erst durch dieeinschlagenden Versuche, und auf solche gestützte Vorschriften Petitjean's undI. v. Liebig's.
Bei seinem ihm im Juli 1855 für England patentirten Verfahren, das einpaar Jahre später von Faraday ausführlich beschrieben und besprochen wurde"),verwandte Petitjean seit 1856, auf einer von ihm bei St. Marie d'Oigniesbegründeten Versilberungsanstalt, eine Lösung von weinsaurem Silberoxyd-Ammoniak, aus der das Silber durch Einwirkung einer Temperatur von circa60" rcducirt wurde. Die von Faraday angegebene Art der Herstellung dieserSilbcrlösung ist eine äußerst weitläufige, ohne daß einzusehen wäre, weswegenderartige Umwege bei der Bereitung des jedesmal nur für den Verbrauch innerhalb24 Stunden anzufertigenden Präparates nöthig wären.
In der Praxis haben sich dann auch die Verhältnißzahlen der Einzelbestand-thcile allmälig abgerundet, und ist die Herstellungsweise der Lösung eine weit ein-fachere geworden, wie das aus einer eingehenden, von Levol gelieferten, Beschrei-bung des Petitjean'schcn Verfahrens, wie dieses auf der Belegcanstalt vonBrossette et Comp. zu Paris 1860 mit gutem Erfolge angewandt wurde, her-vorgeht^). Nach letzterem Autor besteht die zuerst zur Verwendung kommende,
2) Wagner's Jahresbericht 3 (1857), 199, nach Wagner: Theorie undPraris derGewerbe (Leipzig 1858). — ^ Wagner's Jahresbericht 4 (1858), 247, nach Bayer.Kunst- und Gewerbeblatt 1858, S. 300. — ") Poggendorff's Annalen 101 (1857),313. — U Dingler'sJonrnal 157 (1860), 202, nach IlnIIstin äs la socnotü ct'siioon-ruAeinent 1860, x>. 258.