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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Platinbelcgte Spiegel.

einerGlasur auf ihrer Vorderseite verplatinirt waren, ließ sich Basserot 1859für England patentirerG). Er bereitet zunächst eine gesättigte Lösung von Bor-säure in Lavendelöl, mischt 1 Gewthl. dieser Lösung mit 10 bis 15 Thln. trockenenPlatinchlorids, trägt die Mischung, zunächst mit einem weichen Pinsel, dann durchAufgießen und Neigen der Glasplatte, in gleichmäßig starker Schicht auf die zuüberziehende Oberfläche auf, bringt das Glas in eine geeignete Muffel, welcheallmälig bis auf Rothgluth erhitzt wird, und gewinnt in dieser Weise einen fest-haftenden, und das Licht schön reflectircnden Platinüberzng auf dem Glase. Dasnämliche Verfahren schilderte als dasjenige Barral's im Jahre darauf Ba-laincy.

In Frankreich gewann diese neue Art der Spiegelherstellung bald festenBoden, wurde zunächst von Dods in Paris praktisch verwandt und weiter ent-wickelt. Von dem trockenen Platinchlorid verreibt Dods, nach einer MittheilnugSalvotat's^) 172 § ( 100 § Platin), auf einer gläsernen Rcibplatte, mitin kleinen Portionen zugesetztem Lavendclöl, bis von letzterem 1400 § zugefügtworden, und läßt die hierdurch gewonnene trübe Lösung etwa 8 Tage, behufsihrer Abklärung, stehen. Decautirt, bleibt die Flüssigkeit weitere 6 Tage stehen,wird hierauf filtrirt, und zeigt alsdann, vollständig blank, das specifische Gewicht 1'035. Als Flußmittel, oder vielmehr Aufkittungsmittcl und Glasur, nimmtDods für die angegebene Menge Platin 25 K Glätte und 25 K borsaurenBleioxyds, die mit 8 bis 10 K Lavendclöl vollständig fein verrieben, der platin-haltigen Flüssigkeit zugesetzt, und mit ihr innig gemischt werden.

Mit diesem Platinchlorid und Flußmittel enthaltenden Lavendelöl werden diesorgfältig gereinigten und vollkommen trockenen Glastafeln, die hier vertical aus-gestellt, auf ihrer einen Seite in gewöhnlicher Weise angestrichen, die Ungleich-müßigkeitcn des ersten Anstrichs sorgfältigst verrieben, und bleiben dann stehen,bis der Ueberzng trocken geworden-). Ist dieses geschehen, so wird das GlaS indie Muffeln gebracht, die auf der, mit bestem Erfolge arbeitenden Fabrik vonCreswill und Tavernier zu Bailly-sur-Aisne aus Gußeiscnplatten mit ineinander greifenden Falzen hergestellt, in ihrem Innern eine Anzahl beweglicherRahmen enthält, welche die zu brennenden Glasplatten aufnehmen, und in verti-caler Stellung einander parallel, erhalten ^).

Wie bereits erwähnt, liegt bei den nach Dods hergestellten Platinspiegclndie reflcctirende Metallschicht, nur durch eine kaum merkbare Glasur geschützt, aufder vorderen Seite des Glases, und gestattet dieser Umstand mehrfache Ersparnisse.Einmal kommt es nämlich auf die Güte, namentlich die Farblosigkeit der hier nur

st Dittgler's Journal 183 (1859), 42, nach llsiisi't. ol Latsnt-Iuvsnt. 1859,Juni 2) Dingler's Journal 177, 79 und 180, 39, nach Lullst, cks In sooiütüRsnoourazxsinsnt 1865, x>. 526. st Weiß köpf erklärt (Wagner's Jahresbericht11, 431, nach Deutsche Jndustriezeitung 1865, S. 468) Dods'S Verfahren für un-Practisch, da eine Auslösung von Platinchlorid in Wasser bei nachhcrigem Vermilchenmit Lavendclöl stets unbefriedigende Resultate gebe. Von der wäßerigen Lösung ist beiDods aber nie die Rede, iin Gegentheil wird wiederholt betont, daß sowohl das Pla-tinsalz als das Glas völlig trocken (wie staubfrei) sein müsse. stJouglet: Ding-ler's Journal 195 (1870), 464, nach Ooiuxt. rsuck. 70, 52.