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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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sind, und daß auch die Völker von Natur aus mit ungleichen geisti-gen Anlagen und mit ungleichen Körpergestalten und Eigenschaftenbegabt sind, so sind unbedenklich die Grundsätze des Häuserbauesnach den Eigenthümlichkeiten der Völkerschaften und Stämme in an-gemessener Vertheilung anzuordnen, da wir ja von der Natur selbsteinen untrüglichen und beredten Fingerzeig haben.

(II.) Soweit ich nun auf die begründetste Weise die Vertheilungder Eigenthümlichkeiten der Gegenden durch die Natur erschauen konnte,habe ich sie auseinandergesetzt und gesagt, wie man die Eigenschaftender Häuser je nach dem Lauf der Sonne und je nach dem Himmels-striche der Art der Völkerstämme entsprechend bestimmen müsse. Ichwerde daher jetzt die zusammenstimmenden Maßverhältnisse der ein-zelnen Arten von Häusern sowohl im Allgemeinen, als im Besonde-ren kurz entwickeln.

.Tkmtes Knßrtel.

Die Verhältnisse und Maße der Privatgebäude je nach der natürlichenBeschaffenheit ihrer Plätze.

1. Auf nichts muß der Architekt größere Sorgfalt verwenden,als darauf, daß die Häuser je nach den Verhältnissen eines be-stimmten Theiles ihre wohlberechnete Ausführung erhalten. Wennalso die Grundlage der zusammenstimmenden Maßverhältnisse fest-gesetzt ist und die Maße durch Berechnungen entwickelt sind, dannist es auch Sache des Scharfsinnes, dafür zu sorgen, daß man inRücksicht auf die natürliche Beschaffenheit des Platzes, auf den Ge-brauch und den Eindruck durch Wegnahme und Hinzufügen Modi-fikationen erziele, so daß, wenn von dem zusammenstimmenden Maß-verhältnisse etwas hinweggenommen oder etwas demselben hinzugefügtworden ist, dieß aus gutem Grunde umgestaltet zu sein scheint, undbeim Anblicke nichts vermißt wird.

2. Denn anders scheint der Eindruck von unten zu sein, andersin der Höhe, ein anderer in einem geschlossenen Raume, und diesemunähnlich in einem offenen, in Betreff dessen es eines großen Urtheilsbedarf, wie man es da einzurichten habe. Denn das Auge scheint