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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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Siebentes Kapitel.

Die griechischen Wohngeväude und die Anordnung ihrer Theile.

1. Weil die Griechen sich der Atrien nicht bedienen, so bauensie dieselben auch nicht, sondern legen gleich nach der Eingangsthüreeine Flur an, der in der Breite nicht sehr geräumig ist, und aufeiner Seite desselben die Pferdeställe, auf der andern die Gemächerder Thürhüter, und schließen dann unmittelbar mit der inneren Ein-gangsthüre ab. Dieser Raum zwischen den beiden Eingangsthürenaber- heißt auf griechisch Thyroreion'). Dann kömmt der Eingangzum Säulenhof: dieser Säulenhos hat auf 3 Seiten Säulenhallen;aus der Seite, welche gegen Mittag sieht, zwei von einander inweitem Zwischenraume abstehende Anten (vorspringende, in Pilasterendigende Wände), auf welche 3 Balken gelegt werden, und diesenRaum soll man nach innen um V 3 weniger tief machen, als der Ab-stand zwischen den Anten (die Breite) beträgt. Dieser Raum wirdbei Einigen Prostas, bei Anderen Parastas genannt.

2. Von hier aus nach innen zu werden große Säle angelegt,in welchen die Hausfrauen mit den Wollspinnerinnen zu sitzen Pflegen.Zur Rechten und Linken des Prostadiums aber sind die Schlafgemä-cher angebracht, von denen das eine Thalamos (Schlafgemach), dasandere Amphithalamos (Nebenschlafgemach) genannt wird. Zu bei-den Seiten an den Säulenhallen aber werden die Alltags-Speise-zimmer, Schlafgemächer und Gesindekammern angelegt. Dieser Theildes Gebäudes wird Frauenwohnung (Gynäkonitis) genannt.

3. Es steht aber damit eine geräumigere Wohnung in Verbin-dung, mit breiteren (weiteren) Säulenhöfen, deren Säulengängeentweder alle vier an Hohe gleich sind, oder in so ferne verschieden,als einer davon, und zwar der gegen Süden gewendete, mit höherenSäulen errichtet wird. Derjenige Säulenhof aber, welcher einenhöhereu Säulengang hat, wird der rhodische genannt. Es haben

D. h. die Flur, welcher am Anfang und Ende mit Thüren verschließ-bar ist, mit den beiderseitigen dallungs- und Pvrtierräumest.