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Prothyrum, den Telamonen und mit einigem Anderen der Art; dennLystos ist nach der griechischen Bezeichnung eine Säulenhalle vongroßer Breite, in welcher die Ringer in Winterszeit sich üben. Un-sere Landsleute aber nennen Zysten die Gänge unter freiem Himmel,welche die Griechen Paradromides (die Nebenbahnen) nennen. Fer-ner Prothyra werden aus griechisch die vor den Eingangsthürenbefindlichen Vorhallen genannt; wir aber bezeichnen als Prothyra,was auf griechisch Diathyra (Thürraum) heißt.
6. Wenn ferner Bildsäulen von männlicher Gestalt Dielenköpfeoder Gesimse stützen, so nennen unsere Landsleute diese Telamonen;die Gründe davon aber, woher und warum sie so genannt werden,finden sich in der Geschichte nicht: die Griechen dagegen nennen sie At-lanten. Atlas wird nämlich in der Geschichte als die Welt tragenddargestellt, deshalb, weil er zuerst den Lauf der Sonne und des Mon-des und den Aufgang und Untergang aller Gestirne vermöge seinergeistigen Kraft und Erfahrung den Menschen zu erklären unternahm,und daher wird er auch für diese Wohlthat von den Malern undBildhauern als die Welt tragend dargestellt; und seine Töchter, dieAltantiden (welche wir Vergilien, die Griechen aber Pleiaden nen-nen), sind mit den Gestirnen im Weltraum verewigt.
7. Ich habe jedoch dieß nicht deßhalb angeführt, damit dieübliche Bezeichnung oder der Sprachgebrauch verändert werde, son-edrn ich glaubte es auseinandersetzen zu müssen, damit es den Sprach-kundigen nicht unbekannt sei. (VIII.) In welcher Gestalt gewöhnlichdie Wohngebäude nach italischer Sitte und nach den Einrichtungen derGriechen angelegt werden, habe ich nun entwickelt und von den zu-sammenstimmenden Maßen der einzelnen Arten die Verhältnisse be-schrieben. Da nun von der Schönheit und Angemessenheit bereitsim Voraus gesprochen worden, so werden wir jetzt bezüglich der Festig-keit erörtern, aus welche Weise sie ohne Mangel fortdauern und fürein hohes Alter begründet werden könne.