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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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Erstes Anfiel.

Vom Estrich.

v 1. Zuerst will ich vom Estrich handeln, welcher bei den Ver-putzarbeiten die erste Stelle einnimmt, und darauf aufmerksam machen,daß man mit höchster Vorsicht der Dauerhaftigkeit Rechnung trage.Wenn der Estrich zu ebener Erde hergestellt werden soll, so ist derBoden zu untersuchen, ob er durchaus fest sei, und sodann zu ebnen,woraus man die Unterlage und die Estrichmasse auflege; ist dagegender Boden ganz oder theilweise aufgeschüttet, so ist er tüchtig festzu-rammen. In oberen Geschossen aber ist sorgfältig darauf Bedacht zunehmen, daß nicht eine Wand, welche nicht bis an das Dach hinauf-reicht, unmittelbar bis zum Fußboden heraufgebaut sei, sondern daßsie vielmehr, etwas niedriger gehalten, das Balkenwerk über sich weg-laufend trage. Denn wenn die feste Wand vorsteht, verursacht dieunwandelbare Festigkeit des Mauerwerks rechts und links neben der-selben nothwendigerweise Risse.

2. Ferner hat man daraus Acht zu geben, daß man nicht un-ter die Dielen von Wintereichenholz solche von der gemeinen Eiche(Sommereiche) bringe, denn die letzteren verursachen, sobald sieFeuchtigkeit angezogen haben, Risse in den Fußböden. Wenn aberWintereichenholz nicht zu haben ist und bei beschränkten Mitteln dieNoth zur Anwendung von Dielen aus gemeinem Eichenholz zwingt,so dürste es rathsam sein, die Dielen dünner zu sägen; denn je weni-ger Dicke sie haben, desto leichter werden sie durch eingeschlageneNagel eingespannt. Hierauf hat man die Dielen an jedem einzelnenDeckbalken mit je zwei Nägeln an den Rändern festzuheften, daß nir-gends durch das Sichwersen des Holzes die Ecken aufstehen können.Bretter von Zirneichen- oder Buchen- oder Eschenholz aber könnenkeine lange Dauer versprechen.

Ist die Verdielung fertig, so bette man Farrenkraut, wennsolches zu haben ist, wenn aber nicht, Spreu darauf, um das Holz-werk vor den schädlichen Einwirkungen des Kalkes zu schützen.3. Dann lege man die Unterschicht aus aus Steinen, die nicht kleiner