65
war eine Lands gemeinde im vollesien Sinne des Wor-tes. Der neue Traktat sollte auf derselben vom Fürsten undVolke feierlich beschworen werden.
Auf eine solche Landsgemeinde wurde um so mehr Gewichtgelegt/ weil man dadurch die ganze Welt glauben machenwollte/ die neue Ordnung der Dinge wäre nicht bloß dieSache der Landeödcputirten und ihres Anhanges/ sonderndes ganzen Volkes. Jenen war eö daher aus sehr ftaatsklugenRücksichten vorzüglich darum zu thun/ dem gütlichen Ver-trage die größtmöglichste Sanktion und Feierlichkeit zu geben.Sehr »»gerne ließ Beda sich berede»/ persönlich auf denKomitien zu erscheinen; doch da der erste Schritt durch denAbschluß der Verhandlungen einmal gethan war / so konnteder zweite/ welcher solchen die Vollendung aufdrückte / nichtwohl verweigert werden.
Die LandSgemeinde gieng also den 23 . November zuGoßau vor sich. Der Anblick einer ungeheuern/ um ihrenLandcSvater in tausendfachen bunten Reihen versammeltenVolksmenge machte bei Jedermann einen tiefen Eindruck.Altersschwäche hinderte den guten Beda/ an sein liebesVolk zu sprechen; aber seine sanfte Miene/ der ihm ganzeigene heitere Blick voll Güte/ zeugte laut genug von seinenherzlichen Gesinnungen; dankbar brachten ihm die Anwesen-den durch allgemeines Frohlocken und Vivatrufen den Tributöffentlicher Huldigung. Dieser Tag gewährte ihm von warmenVolksfrcunden die Apotheose ^).
H „Nun endlich gieng die schon lang gesuchte/ zuletzt erzwun-gene LandSgemeinde zu Goßau vor sich. Der Fürst/ Dekan/„Deikola/ Ofsizial/ Statthaltere von St. Gallen und Wyl/ wie«auch der Vizekanzler Gschwend und Reichsvogt Grübler waren«zugegen. Die Uebereinkommniß des Fürsten mit dem Lande wurde«verlesen/ Alles erwehret und wie einhellig angenommen/ darauf das,,'re veum in der Kirche abgehalten/ wobei sich ein französischer«Emigrant sehr artig vernehmen ließ: Es wäre doch ein Wun-derding/ daß der Fürst zu St. Gallen ein Danklied«anstimmen ließ/ um weil er den zehnten Theil seiner«Einkünfte verloren hätte." Tageb. G. Br. iM. S.287.