Buch 
Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
Entstehung
Seite
35
JPEG-Download
 

S5

bet vielen Kantonen erstaunliche Summen habe verwendenmüssen, und daß es Maxime der Aebte gewesen sei, zurBehauptung ihrer Rechte kein Geld zu sparen; daß die Staats-einkünfte unbedeutend gewesen und darum das Stift seit fast4oo Jahren alle StaatöauSgaben beinahe allein aus demSeinen habe bestreiken müssen.

Lweiter Abschnitt.

politische Verwaltung des Fürstabtes 6eda.

11 . Uebersicht der boheitlichen Rechte des StiftesSt. Gallen; Größe der Landschaft; politische Ver-fassung; die vier Schirmorte; Militü'rpensioncn.

Die Abtei St. Gallen leitete den Ursprung ihrer Souverä-nitätsrechte über die sogenannte alte Landschaft von ihrerWiege, der ersten Hälfte des 7ten Jahrhunderts her. IhrGebiet ward von den Beherrschern desselben immer das Erb-theil des heil. Gallus geheißen. Seine Größe betrug inden spätern Zeiten etwa 7 ^ Quadratmeilen, welche eineVolkszahl von ungefähr 46,ooo Seelen bewohnte.

Der Abt und das Kapitel stellten den Souverän vor;jener übte ausschließlich durch sich und seine Minister die voll-ziehende Gewalt aus, dieses sanktionirte Verträge, Beschlüsseund anderes von Wichtigkeit, wenn es nicht in's richterliche Facheinschlug. Es war das oberste Staatskonseil, ohne dessen Ge-nehmigung keine öffentliche Akte Ansehen und Gültigkeit hatte.

Die alte Landschaft war in vier Aemter oder Obervog-teien') eingetheilt, deren jede durch einen weltlichen Ober-

Das Landshofmeisteramt und die Obervogteicn vonRolchach und Oberberg, nebst dem Wyleramte. Dazu kamennoch die Obervogtei von Romishorn im Thurgau, Rosenbergund Blatten im Rheinthale.

Z*