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Vierter Abschnitt.
von der allgemeinen Annahme der helvetischen Kon-stitution bis zum Einmärsche der (Oesterreichsin die -Schweiz.
45. Die fränkische Armee besetzt Zürich/ und eine Ko-lonne dringt bis St. Gallen vor; Beitritt zurneuen Verfassung; Auswanderungen.
Auf die Stürme der Anarchie und die gewaltigen Rei-bungen der Parteien erfolgte an den Ufern des BodenseeSeine plötzliche Todesstille/ nachdem ein Theil der fränkischenArmee unter General Schauenburg am 27. April Zürichbesetzt hatte und den 6. Mai die Vorposten derselben schon bisWyl/ 6 Stunden von St. Gallem sich ausdehnten. Hastig griffe»die noch kurz vorher so kriegslustigen Gemeinden nach demeinzigen Balken ihrer Rettung — nach der helvetischen Konsti-tution *); alle orthodoxen Zweifel schienen jetzt verschwundenzu sein; Freiheitsbäume sproßten auf den herannahendenSchritt der republikanischen Truppen in üppiger Fülle/ mitdreifarbigen Bändern geziert / nicht nur in den Dörfern/ son-dern auch vor einzelnen Häusern aus der Erde hervor; jasogar Frauenklöster und selbst das Stift St. Gallen pflanzten— zum Zeichen des großen Patriotismus ihrer Bewohner —in unruhiger Eile halbnackte Fichten auf: eine komischeFaroe/ deren Anblick Jedermann ein Lächeln abnöthigte.
Auch die übrigen Landschaften der östlichen Schweizbeugten jetzt ihre Racken gutmüthig unter die Gesetze der neu
O Die Stadt Wyl und das Land Toggenburg erklärtensich früher für dieselbe/ als das Gofi°auer-Amt/ welches sie am24. April verwarf/ am 2. Mai darauf aber annahm. Wyl und derSchneckenbund trennten sich von der Landschaft St. Gallenund sandten zwei eigene Deputirte/ die Herren Grübler/ gehei-mer Rath / und Talk/ an den fränk. Obergeneral Schauenburg.