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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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militärischer Bedeckung vor sich. Zu St. Margrethen/ amNheine/ empfieng jeder der Priester 32 Franke»/ die Laien-bruder aber 16 als Reisegeld; man hatte ihnen auch ihreKleider und Bücher mitzunehmen gestattet; der Deportirtenwaren 19. Im Stifte, Su Gallen blieben nur einige abgelebteGreise und die drei jüngsten Kapitularen zurück/ um denkatholischen Gottesdienst und die Pfarrgeschäfte zu besorgen.Obschon dem anwohnenden katholischen Volke die Verbannungeines so beträchtlichen Theiles derStiftöherren sehr wehe that/so wurde doch die öffentliche Ruhe keinen Augenblick gestört.

Wen mußte der feindselige Schritt der helvetischen Re-gierung mehr erbittern/ als den Fürstabten Pankraz? Nurdesto thätiger suchte er neue Verbindungen in der Schweizanzuknüpfen und das Volk auf den von Seite Oesterreichsgegen daö fränkische Heer daselbst bald auszuführenden Schlagvorzubereiten. Er war im Wintermonde 1798/ voll der schmei-chelhaftesten Hoffnungen von bald wieder zu erlangenderLandeshoheit im ehemaligen Gebiete seines Stiftes/ von derKaiserstadt Wien nach dem Kloster Mehreren» gekommen/entschlossen/ mit den deutschen Truppen Helvetiens Bodenunmittelbar selbst zu betreten. Kaum hatte wohl Jakob n. vonEngland 1689 mit größerer Zuversicht vom Hofe Ludwigs XIV.nach Instand sich eingeschifft/ als jetzt Pankraz/ inderun-bezweifeltftcn Erwartung deö nahen Umschwungs der Dingein der Schweiz/ an deren Grenze harrte. Sein Empfang da-selbst von Seite der St. Gallischen Kapitularen war freudigund herzlich; sie sahen in ihm einen höhern Genius/ derdurch die Wunder eigener Kraft und StaatSklugheit dasErbtheil deS heil. Gallus aus den Händen der Usurpatorenschon gerettet hätte. Die späteren Ereignisse im Mai 1799schienen diese Ansichten vollends zu rechtfertigen; aber nichtlange. Die Nachtheile/ welche die kombinirte austro-russischeArmee im Herbste bei Zürich erlitt/ zersplitterte auf ein neuesihre Hoffnungen.