Buch 
Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
Entstehung
Seite
172
JPEG-Download
 

172

und Hoffnung herum gewiegt/ nicht wissend/ dauftwelchem Punktes seine Ruhe finden werde, kgm dem 19. Jahrhunderte (1801)mit seiner Bewillkommung nur schwermuthSvoll entgegen.

Die Fehde zwischen den Anhängern des Einheits- und desBundessystems wurde immer leidenschaftlicher; die oberstenStaatsbehörden waren ohne Kredit und Ansehen; unter demVolke herrschte Gemeingeist nur im Streben nach einer bessernVerfassung und hie und da in bestimmter Weigerung, die Abga-ben zu entrichten; starke Lieferungen H an die fränkische Armeein Graubünden gaben dem zerrütteten Zustande des öffentlichenSchatzes vollends den tödtlichen Stoß; die Geistlichen undKantonsbcamteten blieben ohne Besoldung, und allerlei nach-theilige Gerüchte über das künftige Schicksal HelvetienS setztendie Gemüther in Schrecken.

Dieß war die traurige Lage der Dinge in der Schweiz,als der am 9. Hornung 1801 zwischen Oesterreich und Frank-reich zu Lüneville geschlossene Friede die Hoffnung der Vatcr-landsfreunde wieder hob. Beide Mächte garantirten fich gegen-seitig die Unabhängigkeit der helvet. Republik, nebst der Be-sugniß für letztere, fich selbst eine beliebige NegierungSformzu geben.

Muthig traten nun Männer von allen Partheien hervor,um eine ihrem Wunsche oder Interesse angemessene Verfas-sung zu erzielen. Wie oft ward die heiligste Sache des Vater-landes unedeln, kleinlichen Privatabsichten unterschoben lDieß trübte die Rationalfeier über den besagten Frieden inder Schweiz; nur die kleinen Kantone beseelte ein Geist:das heilige Erbtheil ihrer Värer, die rein demokratischeVerfassung wieder hervorzurufen; in dieser Absicht wurdenZusammenkünfte gehalten, Plane verabredet und Vorberei-tungen zu LandSgemeinden getroffen; besonders lebhaft gienges im Distrikt Appenzell zu.

H Vom August 1800 bis den 1. März 1801 lieferte die helve-tische Regierung nur der fränkischen Armee in Graubünden4/112,700 LivrcSl