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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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an die Regierung von Sl. Gallen; WalliS hatte keine In-struktion, alle andern Stände aber bekräftigten das im 1.1816gefaßte Conclusum, und beschloßen: »daß in Betrachtung»aller Ereignisse, welche fich seit 1798 in Betreff des Klo.»stcrS St. Gallen zugetragen haben, und gegründet auf die»Bundesverfassung und auf den Entscheid des Wienerkon-»gresses, die von dem römischen Hofe gegen den Stand»St. Gallen zu Wiederherstellung dieses Klosters verlangte»eidgcnößische Verwendung, zwar mit aller Ehrerbietung»gegen Se. päbstl. Heiligkeit aber eben so bestimmt abgelehnt»und dieser Beschluß durch den löbl. Vorort dem römischen» Hofe eröffnet werden solle *).

Dieser Beschluß überraschte wohl Niemand, als nur denAbt selbst. Von den protestantischen und neuen Kantonenwar voraus zu sehen, daß sie fich gegen seine Forderungen erklä-ren würden, besonders von Zürich, welches seit der Neforma-tion sehr ungern an dem Kloster St. Gallen ein GegengewichtdeS Katholizismus gegen den Protestantismus in der östlichenSchweiz erblickte. Auch war überhaupt seit den zwei lehren Dc-zennien des 18. Jahrhunderts die Stimmung in der Schweizden Klöstern nicht mehr günstig; man ficng damals schon an,sie für alte Ruinen anzusehen, die ihrem Zerfalle nahe wären,welchen sodann die französische, noch mehr aber die belve»tische Revolution beschleunigen sollte; wie hätte man nunspäter noch im Ernste an die Wiederherstellung eines dieserInstitute, das als ein der Politik und dem Zeiigeiste ge-brachtes Opfer zu existiren aufgehört hatte, glauben können?Gegen die Abtei St. Gallen waltete insbesondere dasVorurthcil, daß sie die Landesregierung bei sich ergebendenAnlässen, und besonders unter einem Vorsteher wie Pan-kraz war, wieder an sich ziehen wolle.

Solche günstige Umstände waren 1801 und 1814 ein-getreten. Hätte der Abt den Muth gehabt, während dieser

H S. »Lebensgeschichle Pankratius Vorsters, Fiirstabts zuSt. Gallen. St. Gallen, 1830.» S. 19 und 2 «.