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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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zu bringen. Durch die ordinäre Post war es unmöglich,Pfarrhcrrcn und treue Landsleute dörsten wir der schlimmenFolgen wegen nicht kompromittircn, unsere im Stifte Woh-nenden am allerwenigsten. Wir machten also unsere von E.H. Gn. anbefohlene Paquete zusammen, reiheten sie Amtö-wcise, und schickten die beiden KonverSbrüder Mang undPeter, den ersten durch Altstädten oben ins Land, denzweiten Noschach zu. Wir gaben ihnen die nöthigen Ver-haltungSbefehle zu ihrer Sicherheit und richteten es so ein,daß sie wieder außer Gefahr sein mußten, ehe die Exemplarevertheilt sein und Rumor machen könnten. Die AuStheilungwird meist durch hiesige Leute an Knaben, Weibsbilder re.geschehen, die sie ohne Argwohn an die bestimmten Orte tra-gen werden. Dann sind die ersten Ueberbringer undUeberge-bcr theils schon unsichtbar und auch unbekannt. Hr. H.Th. Br. Paul waren auch angewiesen, den zwei Brü-dern mit ihrem Rathe an die Hand zu gehen, aber ganz un-sichtbar und ohne daß auch nur ein Argwohn auf sie fallenkönnte, sonst sollten sie sich nicht damit abgeben.

Diese Bruder weigerten sich nicht im geringsten, diesenAuftrag auf sich zu nehmen, sie versprachen sogar, es dahinzu bringen und einzurichten, daß einige der Patente an Kirch-thüren, auch etwa an öffentlichen Gebäuden, besonders herr-schaftlichen, hangen sollten. Die Bekanntmachung im ganzenLande soll, wo möglich, auf einmal geschehen, etwa SamstagsNachmittag, oder erst am Sonntag: .Die hier näher liegendenAemter bekommen sie erst im Rückwege, die entfernter« umeinen halben Tag früher. Ans Direktorium (das helvetische),den Kantonsstatthaltcr (von SäntiS) und übrige FreiheitS-götzen werden sie mit der Post folgen.

Die Bruder gicngen Donnerstags etwa halb 3 Uhr beimelendesten Wetter (die Sache litt keinen Verschub) aufSt.Jo-Hann- chst und Roschach, unterredeten sich da mit T. undBr. Paul und trafen Maßregeln üher die Verbreitung , desPublikats im Roschacher- und Romishorner-Amte, setzten zu-gleich den Termin der Publikation auf Samstag Abends, inwelcher Zeit es an allen Orten und Aemtern zugleich solltebekannt werden. Von dort reiferen sie bei Nacht noch auf