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Quellenbuch zur Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts für höhere Lehranstalten / von Friedrich Neubauer
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Das Frankfurter Parlament. (Von Georg Kaufmann.)

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aus dem Feldlager schien auch eine Besserung seines Leidens zu kommen;eine zweimal wiederholte Operation brachte ihm Erleichterung und Zuver-sicht: „Ich hoffe", schrieb er am 18. Juni seiner Tochter, „mit den erstenStreitern beim Wiederausbruch des Krieges sein zu können und werde dazualle Mittel anwenden." Auch seine Umgebung war guten Mutes: „Alle",erzählt Leutnant Greulich, „jauchzten, ihn bald zur Armee zurückzuführen."

Da trat plötzlich eine Verschlimmerung ein. Als Grolman an dasBett des Freundes trat, um ihm die Botschaft zu bringen, daß man mitden Ostreichern über den künftigen Operationsplan einig sei, begann seinAuge sich zu umfloren. Seine letzten Gedanken teilte er zwischen demBaterlandc und der Geliebten. „In diesem Zustande", schrieb sein ge-treuer Pfleger an Friderike Hensel, „hat er Sie oft in lispelnden Aus-drücken, die nur mir verständlich waren, gesegnet und für Ihr künftigesWohl gebetet." Am 28. Juni morgens 11 Uhr hörte sein Herz aus zuschlagen.

14.

Aas Irankfurter Parlament.

Von Georg Kaufmann.

(Aus der „Polnischen Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert, Berlin, Bondi, 1SV0.)

Am 18. Mai 1848 trat die deutsche Nationalversammlung in derPaulskirche zu Frankfurt a. M. zusammen, es waren über 600 Männer,die meisten hoch angesehen, alle von redlichem Willen, viele von glänzendenGaben. Besonders die Gabe der Beredsamkeit war in allen Formen ver-treten ; die aus Berechnung und Leidenschaft gemischte Rede Robert Blums,der Feuerstrom Ludwig Simons, der überwältigende Ernst Messers, Lich-nowskys Glanz und Gagerns Geschicklichkeit mit Pathos Überraschungenzu bereiten und durch Würde zu imponieren, wetteiferten miteinander,und mit ihnen andere nicht weniger erfolgreich. Alle Parteien hatten her-vorragende Männer, namentlich auch die Rechte. Redner wie Radowitzund Vincke ersetzten durch den Eindruck ihrer Beredsamkeit, was derPartei an Zahl abging.

Eine sozialistische Partei fehlte; auch die Männer der äußerstenLinken, wie Karl Vogt und Arnold Rüge, standen doch auf dem Bodender heutigen Gesellschaftsordnung und fanden in den Augen von KarlMarx, der wenige Wochen vor der Februarrevolution in dem Kommu-nistischen Manifest den Schlachtruf erhoben hatte: „Proletarier allerLänder, vereiniget euch!" ebensowenig Gnade wie alle die anderen. Nur