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Quellenbuch zur Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts für höhere Lehranstalten / von Friedrich Neubauer
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Kaiser Wilhelms I. Ausgang.

Diesem allen schob Bismarck durch seine Redaktion des Emser Tele-gramms, die nur ein paar Sätze strich und kaum ein Wort hinzufügte,den Riegel vor. Nun lautete es so, daß der König nicht nur die un-erhörte Zumutung Frankreichs abgelehnt, sondern daß er sie nicht einmalangehört, daß er dem Botschafter auf die Frage selbst unmittelbar dieTür gewiesen habe. Es war genau der Sinn der Legende geworden,die sehr bald in allen Zeitungen stand, wonach der König dem Botschafterauf der Promenade selbst den Rücken gewandt und ihm auf der Stelledie Ablehnung durch den Adjutanten habe sagen lassen. Bismarck wußtesehr wohl, was er tat, als er seine Redaktion am Spätabend des 13. unterdie Massen werfen ließ und sie zum Teil, wie nach München hin, mitbesonderem Kommentar versehen den Vertretern Preußens an den fremdenHöfen übersandte; sie war, wie Wilhelm selbst, als er sie in Ems amMorgen las, erschreckt sagte, der Krieg; und sie sollte, wie Gramont ausrief,der Schlag auf Frankreichs Wange sein, das rote Tuch, wie Bismarckin seinen Memoiren schreibt, das den gallischen Stier zur Wut reizenwürde. Es war die letzte und größte Karte in seinem Spiel, die Bismarckdamit auf den Tisch warf. Wie oft war er in Versuchung gewesen, siehervorzuziehen, Österreich oder auch Frankreich gegenüber!' Er hatte nochimmer gezögert. Denn niemals war der Moment günstig genug gewesen.Jetzt aber war er da, dem König, der Nation und Europa gegenüber.Die Beleidigung des greisen Friedensfürsten, der Hohn auf die deutscheEhre, der Angriff auf die Freiheit der deutschen Erde boten einen Schlacht-ruf dar, vor dem aller Hader der Parteien und jedes Widerstreben desPartikularismus verstummen mußte. Wo immer deutsche Herzen schlugen,wandten sie sich dem Hohenzollernkönig und seinem Kanzler, den Einigerndes Vaterlandes zu; jede sittliche Kraft reckte sich empor; und die Neu-tralen, die Neider der deutschen Größe selbst mußten zugestehen, daß dasRecht auf der Seite der Deutschen sei. Die Schleusen waren hochgezogen,und alle Kräfte der Nation konnten in tausend tosenden Wirbeln gegenden Erbfeind losgelassen werden.

18.

Kaiser Wilhelms I. Ausgang.

Von Erich Marcks.

(AusWilhelm I.", 5. Aufl., Leipzig, Dunckcr L Humblot, 1L0S.)

Nach der Mitte der 80 er Jahre erst erreichte die letzte Epoche KaiserWilhelms ihren Gipfel. Das ganze System nationaler Politik, innererund äußerer, war einheitlich durchgebildet und arbeitete unter Einer großen