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Quellenbuch zur Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts für höhere Lehranstalten / von Friedrich Neubauer
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Wilhelm I.

der Gefahr sprach, die mit der Annahme der Krone verbunden sei, riefihm Beckerath zu, die Gefahr sei für Preußen stets eine sieglockende Sonnegewesen, aber der König antwortete:Wem sagen Sie das? Ich bin keinFriedrich der Große."

Mit einem seiner plötzlichen Entschlüsse lehnte dann der König am21. April 1849 durch eine Erklärung im Landtag die Kaiserkrone bestimmtab. Camphausen sah sich bloßgestellt und nahm seinen Abschied, Vorwürfeund Klagen erhoben sich von allen Seiten, aber auch an Verteidigern hat esdem Könige nicht gefehlt. Heute liegt kein Grund vor, die Vorwürfe zuwiederholen oder den Gründen für Lob und Tadel nachzufragen. Eswar eine der Stunden und eine der Handlungen, bei denen man am bestennichts weiter tut, als daß man sie anerkennt und ihre Bedeutung ermißt.

Gewiß hatte der König damit recht, daß er der Rolle nicht gewachsenfei, die man ihm zuwies, und so hatte er auch ein subjektives Recht, sieabzulehnen; aber man hatte ihm die Rolle nicht aus Willkür zugewiesen:es war eine durch die Entwicklung der deutschen Geschichte dem Träger derpreußischen Krone zukommende Rolle, und es war ein Verhängnis, daßdieser König einer solchen Rolle nicht gewachsen war.

15.

Wilhelm I.

Von Heinrich von Sybel.

(Aus dem WerkDie Begründung des Deutschen Reiches durch Wilhelm I-". 4. u. 5. Aufl-,München und Leipzig, Oldenbourg, 189296.)

Wilhelm, Prinz von Preußen, war sechzig Jahre alt, als er imHerbst 1857 die Leitung der Staatsgeschäste als Stellvertreter seinesköniglichen Bruders übernahm. In seiner schlichten Weise hat er es späteroft ausgesprochen: in jungen Jahren habe ich niemals an die Möglichkeitmeiner Thronbesteigung gedacht; ich habe damals gelernt, eine Infanterie-division richtig zu führen, um Staatssachen aber habe ich mich wenig be-kümmert. In der Tat ging der junge Offizier in seinen militärischenArbeiten mit Leib und Seele auf, zum Heile Preußens, denn unter tüchtigerLeitung ist der militärische Beruf eine treffliche Vorschule für den künftigenHerrscher, durch die Gewöhnung an raschen Entschluß, sichern Befehl undunbedingte Pflichterfüllung. Allerdings blieb dann seine Bildung fürgeraume Zeit eine einseitige, wurde jedoch bei feinem ernsten Fleiß inihrem Kreise um so gründlicher. Gründliche Arbeit aber erzieht alle Kräftedes Geistes, und macht sie geschickt, wo es erforderlich wird, auch auf