Von Georg Kaufmann.
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der allgemein als die Einleitung zur Auslieferung Schleswig-Holsteinsan die Dänen aufgefaßt wurde. Aber das Reichsministerium hatte keineMittel, Preußen zur Änderung seiner Politik zu zwingen, es sei denndurch eine neue Revolution, von der nicht abzusehen war, wohin sie führenwürde. Die Gemäßigten fügten sich deshalb schweren Herzens bis aufeinige wenige, bei denen der Schmerz um das Land alle weitere Überlegungerstickte. Ihr Führer war Dahlmann, in Wismar geboren, aber durchVerwandtschaft und Lebensgang Schleswig-Holstein so eng verbunden, wienur der Heimat. Dahlmann stellte den Antrag, der Reichstag solle dieAusführung des Waffenstillstandes hemmen und vor allem den Rückmarschder deutschen Truppen aus den Herzogtümern verbieten. Die Linke leisteteihrem alten Gegner sofort eifrig Unterstützung, um die Majorität derGemäßigten zu sprengen und die Revolution wieder zu entfesseln. Sogewann Dahlmanns Antrag die Mehrheit; aber da nun das Reichs-ministerium seine Entlassung gab, weil es den Beschluß nicht ausführenkonnte, so siel Dahlmann die Aufgabe zu, ein neues Ministerium zu bilden.Er hätte es nur aus der Linken bilden können, mit ihr das Parlamentin einen Konvent verwandeln und eine Diktatur errichten müssen. Daswar wider Dahlmanns Natur, und so mußte er den Auftrag ablehnen,und die Nationalversammlung mußte ihren Beschluß widerrufen, um der-gleichen Gefahren abzuwenden. Das geschah am 16. September 1848.
Die Versammlung hatte damit selbst bekannt, daß sie nicht die Gewalthabe, ihren Beschlüssen gegen den Willen der beiden Großmächte Nachdruckzu geben, und unter diesem niederschlagenden Eindruck erhob sich in Frank-furt am 18. September ein Aufstand, um eine revolutionäre Gewaltaufzurichten. Der Aufstand wurde zwar von den Truppen, die dasReichsministerium heranzog, rasch überwunden, aber in diesen Unruhengeschah es, daß ein wüster Haufe zwei Mitglieder des Parlaments, denGeneral v. Auerswald und den Fürsten Lichnowsky, auf barbarische Weiseermordete. Dieser Mord war ein Bubenstück, noch ruchloser und sinnloserals die Ermordung des Ministers Latour in Wien am 6. Oktoberund des Generals Lamberg am 28. September, und hatte für das Par-lament und den Erfolg seiner Arbeit höchst ungünstige Wirkungen, nament-lich auch auf die Stimmung des Königs von Preußen und seiner Um-gebung: denn beide Männer waren in den Berliner Kreisen hochgeschätztund galten jetzt als Märtyrer, deren Blut Sühne fordere. Ihre Er-mordung bildete ein allzeit durchschlagendes Argument, wenn es galt, dieBewegung der Zeit herabzusetzen. Auch für das Verhältnis der Parteiendes Parlaments war der Vorgang verhängnisvoll. Denn im Parlamentewar die Überzeugung verbreitet, daß die äußerste Linke an jenem Aufstande