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III/1 (1895) [Elektricität und Magnetismus (II)] / unter Mitwirkung von Prof. Dr. F. Auerbach, Dr. E. Brodhun, Prof. Dr. F. Braun, Dr. S. Czapski, Dr. P. Drude, Prof. Dr. K. Exner, Prof. Dr. W. Feussner, Dr. L. Grätz, Prof. Dr. H. Kayser, Prof. Dr. F. Melde, Prof. Dr. A. Oberbeck, Prof. Dr. J. Pernet, Dr. F. Pockels, Dr. K. Pulfrich, Prof. Dr. Fr. Stenger, Dr. R. Straubel, Dr. K. Waitz ; herausgegeben von Dr. A. Winkelmann
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381
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Veränderliche Ströme bei Einschaltung und Ausschaltung constanter Ketten.

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zählen 1 ). Bei der Auflösung des Entladungsstromes eines Condensators inSchwingungen kann man leicht viel grössere Schwingungszahlen bis zu Hundert-tausenden in der Secunde erzielen.

Endlich sind von H. Hertz Versuchsanordnungen getroffen, bei denen dieSchwingungszahl bis zur Grössenordnung von 10 9 wächst. Dem entsprechendkann man bei den elektrischen Schwingungen drei verschiedene Grössenordnungender Schwingungszahl unterscheiden, von denen die beiden ersten in diesem Ab-schnitt behandelt werden sollen. Bei der grossen Wichtigkeit der Versuche mitsehr schnellen Schwingungen für die Entwickelung der Elektricitätstheorie werdenwir diese später in einem besonderen Abschnitt (V) besprechen.

B. Veränderliche Ströme bei Einschaltung und Ausschaltung

constanter Ketten.

1) Eine Drahtleitung enthält eine constante Kette von der elektromotorischenKraft E. Der Kreis wird im Zeitmoment t= 0 geschlossen. Es soll der Ver-lauf des Stromes J berechnet werden. Dies geschieht nach Gleichung (1), woE constant ist:

PTt + w J= E >

mit der Grenzbedingung:

/= 0 , /= 0 .

Dann ist:

®

Hiernach erreicht der Strom nicht sofort seinen Grenzwerth. Er nähertsich demselben aber in den meisten Fällen sehr schnell, da selbst bei Ein-schaltung von Drahtrollen mit vielen Windungen w/p eine grosse Zahl ist.Enthalten die Rollen Eisenkerne von bedeutenden Dimensionen, so wird dadurch pstark vergrössert. Hieraus erklärt sich die Erscheinung, dass bei Stromschlusseines starken Elektromagnets der Grenzwerth des Magnetismus erst nach einigerZeit erreicht wird.

Die angegebene Entwickelung wurde durch Helmholtz 2 ) experimentellgeprüft und bestätigt, indem ein Stromkreis, welcher ein Galvanometer enthielt,geschlossen, und nach kurzer, messbarer Zeit wieder geöffnet wurde. Der Aus-schlag des Galvanometers war ein Maass für die gesammte in der Zeit fl durchden Stromkreis geflossene Elektricitätsmenge nach der Gleichung:

/'*-![- 4 (--*)]

0

2) Zwei Leitungskreise wirken inducirend auf einander. Der eine enthälteine Kette von der elektromotorischen Kraft E. Bei Schliessung des erstenKreises verlaufen in beiden Kreisen veränderliche Ströme, von denen man den-jenigen im secundären Kreis als den Schliessungsinductionsstrom bezeichnet.Bei Oeffnung des primären Kreises entsteht im secundären Kreise der Oeffnungs-inductionsstrom.

Für den eisten Fall gilt das Gleichungssystem:

*) Mit Hilfe einer Wechselstrommaschine von Tesla kann man allerdings bis zu20000 Stromwechseln gehen,

2 ) H. v. Helmholtz, Pogg. Ann. 83, pag. 505540. 1851.