Die Assyrer, die Ägypter, die Perser.
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Sohn, Ninyas ihr nach dem Leben trachte. Hierauf übergiebtsie, gehorsam einem alten Orakelspruch, dem Sohn die Regierung;„einige fabeln, daß sie in eine Taube verwandelt mit einemTaubenschwarm aus dem Palast geflogen sei. So ist esgeschehen, daß die Assyrer die Semiramis für eine Unsterblichehalten und die Taube als Gottheit verehren". Ihr folgteNinyas, der, in seinem Palast eingeschlossen, nur der Lustund dem Zeitvertreib diente, für das Volk aber unsichtbarwar; dreißig Könige folgten ihm dann, bis die Herrschaft anNe Weder überging. Heeren und Niebuhr zweifelten zuerstan der historischen Persönlichkeit der Semiramis. Duncker,beschichte des Altertums, 4. Auflage, Leipzig 1874, Teil II.S. 13 bemerkt über die assyrische Geschichte des Ktesias-Diodor:
„Die Denkmale Assyriens belehren uns, daß dieses Reich nicht, wie Ktesias will,2189 v. Chr. gegründet, daß es nicht 883 v. Chr. gestürzt worden ist. Sie widerlegenebenso des Beroses und des Herodot Angaben, daß die Herrschaft der Assyrer überAsien 1273 oder 1234 v. Chr. begonnen und 747 oder 714 v. Chr. geendet habe. Siekennen weder in den Ansängen noch auf der Höhe der assyrischen^acht eine kriegerische Königin, noch überhaupt ein Weib an derSpitze des Staats. Nur einmal finden wir den Namen Semiramis in denDenkmalen. Aus der auf einer Statue des Gottes Nebo eingegrabenen Widmungeines Beamten des Königs von Assyrien Bin-nirar m. (810—781 v. Chr.) ersehendaß dieses Königs, der weithin nach West und Ost geboten hat, Weib Semiramispleß. erfahren nichts von ihr außer dieser Erwähnung. Die NamenNinosNinyas sind der Inschrift durchaus fremd. Niemals hat einönjg Ninos oder ein König Ninyas in Assyrien geboten. Nachiesias hätte eine Folge von dreißig Königen über Assyrien geherrscht. Die Inschriftenbeben eine erheblich höhere Zahl. Unter den dreißig Herrschern, die Ktesias mit ihrenamen und Negierungszeiten ausführt — die Chronographen haben uns diese ListeEhalten — ist auch nicht ein Name, der mit dem Namen der Denkmale stimmt. Mitusnahnie der Namen des Ninos, der Semiramis, des Ninyas, diekesias vorfand, und etwa des zwanzigsten Nachfolgers des Ninyasseinen die übrigen von Ktesias ersonnen oder beliebig zusammen-bbftellt und aneinandergereiht, die Regierungszeiten ebenso frei erfunden und"kch den Gesichtspunkten gewisser Gleichzeitigkeiten angeordnet zu sein."
Von einem noch vorhandenen Bilde am Berge Bagi-stanon erzählt er, es sei 10 000 Fuß hoch und stelle die Se-wrramis dar von hundert Leibwächtern umgeben, während es"ur 1500 Fuß hoch ist und den König Dareios zeigt, dierebellischen Könige, welche die Waffen gegen ihn erhobenhatten, am Boden oder gefesselt vor ihm.