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Die Assyreo, die Ägypter, die Perser.
„Es war das stolzeste Siegesmal der gesamten Geschichte Persiens. Und diesessollte ein Perser den: Ktesias als Werk der Semiramis bezeichnet haben? Hier liegen
jedenfalls Erweiterungen, Zuthaten und Erfindungen des Ktesias vor.
Nicht den Medern und Persern konnte die Lebensweise ihrer eigenen Könige, ihrerAbgeschlossenheit und Unzugänglichkeit in den Königsburgen an sich als auffallendoder verächtlich erscheinen, nicht ihnen die eigene Tracht halbweiblich vorkommen, wohlaber den Griechen. Sie erklären sich jene Sitte aus der Genußsucht des Ninyas,diese Kleidung durch das Beispiel oder das Gebot der Semiramis, die sie erfundenund angelegt, um die Beschwerden des Krieges zu ertragen oder ihr Geschlecht zu ver-bergen" (Duncker, Geschichte des Altertums H. S. 14 f.; vergl. auch IV. 480 ).
Duncker kommt zuletzt zu dem Schluß, wie Niebuhr be-treffs der römischen Geschichte (s. w. u.), daß wir bei den er-wähnten Berichten des Ktesias-Diodor nur in Prosa aufgelöstePoesie vor uns haben.
„Die Hauptstadt Assyriens hieß Ninua. Dieseln Namen ist sowohl der deS Ninosals der des Ninyas entnommen. Die Assyrer verehrten als ihre besondere Schutz-gottheit die Kriegsgöttin Jftar. Zu Assur und Istar beten die Könige Assyriens inden Inschriften am häufigsten. Istar war die verderblichste, die todbringende aber auch
die siegverleihcnde Göttin des Krieges.Sie war nicht bloß die Göttin der
Schlachten, sie war zugleich die Göttin Bilit, die Herrin der Liebestriebe, der Liebes-lust. Abwechselnd sendet sie Leben, Lust und Tod. Als der Göttin dcrLiebes-lust waren ihr die Tauben heilig; es gab in den Tempeln Syriens Standbilderdieser Göttin, die eine goldne Taube auf dein Scheitel trugen, ja sie wurde hier unterdem Namen Semiramis angerufen, ein Wort, das „hoher Name, Name der Höhe"bedeuten kann."
Diese Göttin nun haben die medo-persischen Sänger indie Gründerin der assyrischen Macht verwandelt; denn dieGrenze zwischen Göttern undKönigen i st immerverschwommen gewesen und auch geblieben; aberbesonders am Anfang und Ende ihrer Laufbahn ist der über-natürliche Ursprung der Semiramis noch deutlich erkennbar(vergl. Duncker, G. d. A. II. S. 18).
Dieselbe Ähnlichkeit mit einer Göttergestalt tritt auchwieder hervor bei dem letzten Herrscher der Assyrer, beiSardanapal, dessen Sturz bei Diodor 2, 23 ff. (nachKtesias) ausführlich beschrieben ist. Dieser König wird alsunglaublich weibisch geschildert, allein dem Genuß fröhnendund sich ganz vom Volke abschließend. Ein gewaltiger Auf-stand bricht gegen ihn los, aber er besiegt die Rebellen indrei Schlachten, unterliegt jedoch in einer vierten durch Ver-rat der bayrischen Truppen. Nach Ninive geflüchtet wird er