Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
149
JPEG-Download
 

Die Römer.

149

darf eben nachher nicht gesprochen werden. — Der Konsul MarcusAtilius Regulus, durch den karthagischen Heerführer, denSpartaner Tanthippos vor den Mauern Karthagos 255 v. Chr.geschlagen und gefangen genommen, soll von den Karthagernzur Vermittelung eines Friedens nach Rom gesandt, dortjedoch den Frieden widerraten haben, dann nach Karthagozurückgekehrt und unter schauderhaften Martern getötet wordensein. Mommsen sagt darüber (I. S. 531):

„Unter den wenigen Gefangenen war der Konsul selbst, der später in Karthagostarb; seine Familie, in der Meinung, daß er von den Karthagern nicht nach KricgS.gebrauch behandelt worden sei, nahm an zwei edlen karthagischen Gefangenen die em-pörendste Rache, bis es selbst die Sklaven erbarmte und auf deren Anzeige dieTribunen der Schändlichkeit steuerten. Weiter ist über des Regulus Ende nichts mitSicherheit bekannt; selbst seine Sendung nach Rom, die bald 503 bald 513<der Stadt) gesetzt wird, ist sehr schlecht beglaubigt. Die spätere Zeit,die in dem Glück und Unglück der Vorfahren nur nach Stoffen suchtefür Schul akte, hat aus Regulus das Prototyp des unglücklichen, wie aus Fabriciusdas des dürftigen Helden gemacht und eine Menge obligat erfundener Anekdoten aufseinen Namen in Umlauf gesetzt; widerwärtige Flitter, die übel kontrastieren mit derernsten und schlichten Geschichte."

Desgleichen bemerkt C. Neumann: das Zeitalter derpanischen Kriege; Breslau 1883:

„ Es ist eine bekannte Erzählung, daß die Karthager ihn 251 oder 250 nachAppian 2, 1) "der nach desselben 4 erst 2-tl zu Vcr-

Handlungen nach Rom geschickt haben sollen, indem; sie ihm die eidliche Versicherungabnahmen im Falle des Mißlingend wieder in die Gefangenschaft zurückzukehren.Trotzdem soll Regulus den Abschluß des Friedens widerraten haben, und wieder nach-Karthago zurückgekehrt sein. — Die Erzählung ist im einzelnen romanhaft und indeklamatorischer Weise ausgeschmückt; sie erweckt schon hierdurch Verdacht. Es ist auchsonst nicht recht denkbar, daß die Karthager sich eingebildet haben sollten durch dieVermittelung dieses Mannes sich günstige Bedingungen erwirken zu können; sie konnten

zu dem Zweck gewiß keinen schlechteren Fürsprecher wählen.Man hat von

dieser Mission gesprochen, um eine Anlehnung für die Fabeln zu gewinnen, die manaus andern Gründen über das Ende des Regulus zu verbreiten für zweckmäßig hielt."

Die Rede, welche Regulus bei dieser Gelegenheit in Romgehalten haben würde, muß übrigens ein willkommenes Themafür die späteren Rhetorenschulen gewesen sein, welche in ihrensogenannten Kontroversen in der Ausmalung der Kollision derPflichten schwelgten, wovon Friedländer in seinen „Darstellungenaus der Sittengeschichte Roms" (Leipzig 1871, Band I, S.287 sf.) sehr ergötzliche Beispiele giebt. Vielleicht ist die ganze