Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
248
JPEG-Download
 

Die Deutschen.

hatte, sie schon aus innere» Gründen hätte verwerfen sollen." (W. Stirling a. a. O.S. 261 .)

Religiöse Toleranz, sowie überhaupt die einfache Thatsache,daß es niemanden in der Welt etwas angeht, was jemandfür religiöse Ansichten und ob er überhaupt welche habe, unddaß es im allgemeinen eine Ungehörigkeit ist, danach zu fragen,war für den Kaiser, wie überhaupt für die ganze damaligeZeit etwas Unfaßbares. Nach Llorente,tMSÄrow cfLvMA-rs, II., S. 157) ist der Kaiser

vielmehr bis zuletzt überzeugt gewesen, daß man die Ketzerverbrennen müsse; er hat es auch sogar bedauert, daß erLuther aus Worms gemäß dem versprochenen freien Geleitentlassen. (Menzel. Neuere Geschichte der Deutschen I.,S. 58.)

Nach Delepierre S. 128 f.) hat

Karl überhaupt nicht Mönchsgewand getragen, wie er inseinem Portrait von Tizian dargestellt wird, auch nicht imeigentlichen Kloster gewohnt, sondern in einem daneben fürihn besonders aufgeführten Gebäude; auch bestand sein Ge-folge nicht aus nur zwölf Personen, wie Robertson behauptet,sondern aus über fünfzig. — Betreffs des berühmten Be-gräbnisses des Kaisers zu seinen Lebzeiten (31. August 1558),über welches uns Robertson berichtet, wollen wir diesen indeutscher Übersetzung hören:

„Die Kapelle war schwarz auSgcschlagcn und der Glanz von Hunderten vonWachslichtern genügte launi, die Dunkelheit zu zerstreuen. Die Mönche in ihrenKlosterklcidcrn und des Kaisers ganzes Gefolge in tiefer Trauer, versammelten sichn», eine» mächtigen gleichfalls mit Schwarz behangcncn Katafalk, welcher in der Mitteder Kapelle errichtet worden war. Die bei einem Begräbnis üblichen Gebete wurdendann verrichtet und voin traurige» Wehklagen der Mönche begleitet, die für die ab-geschiedene Seele flehten, daß sie in den Wohnplatz der Seligen eingelassen werdenmöge. Die bekümmerten Begleiter wurden durch diese Darstellung des Todes ihresGebieters zu Thränen bewegt oder sie waren gerührt, vielleicht auch nur aus Mitleidüber diese bedauerliche Entfaltung von Schwäche. Karl in einen dunklen Mantel ge-büllt, mit einer brennenden Kerze in der Hand, stand »litten unter seinen, Gefolgeder Zuschauer seiner eigenen Obscguicn, und die wehmütige Ceremonie schloß damit,daß der Kaiser die Kerze in die Hände des Priesters gab, als Zeichen dafür, daß erseine Seele dem Allmächtigen zurückgebe."

Spätere Schriftsteller legen den Kaiser bei