Die Deutschen.
261
wäre aber doch der Grund zu einer unversöhnlichen Feind-schaft des Herzogs geworden. Derselbe trat in der Thatspäter in kaiserliche Dienste und in engste Verbindung mitWollenstem, erschien aber in Nürnberg bei Gustav Adolf undtrat in dessen Dienste.
„Bald darauf kommt es bei Lützen zur Schlacht, in welcher Franz Albert demMonarchen wie ein böser Dämon beständig zur Seite bleibt, und erst, nachdem derKönig schon gefallen ist, von ihm scheidet. Mitten unter den Kugeln der Feinde bleibter unverletzt, weil er eine grüne Binde, die Farbe der Kaiserlichen um den Leibträgt (!). Er ist der Erste, der dem Herzog von Friedlaud, seinem Freunde, den Falldes Königs hinterbringt. Er vertauscht gleich nach dieser Schlacht die schwedischenDienste mit den sächsischen und bei der Ermordung Wallensteins als ein Mitschuldigerdieses Generals eingezogen, entgeht er nur durch Abschwörung seines Glaubens demSchwerte des Nachrichters. Endlich erscheint er aufs neue als Befehlshaber einerkaiserlichen Armee in Schlesien und stirbt vor Schweidnitz an empfangenen Wunden."
Seine Quellen für diese Erzählung, welche übrigens ohnedie sehr novellenhafte, auf einem bloßen „man sagt" beruhendeOhrfeige am Anfange unverständlich ist, giebt Schiller nichtan, gesteht jedoch, daß sich Gustav Adolf stets wie der ge-meinste Soldat der Gefahr bloßstellte und verwirft den ge-äußerten Verdacht schließlich, „um die Würde der menschlichenNatur nicht zu entehren". Dieser letzte Grund ist etwassentimental. Das Übertreten aus dem Dienste des einenKriegführenden in den des andern war übrigens im dreißig-jährigen Kriege nichts ungewöhnliches. Faktisch wissen wirüber des Königs Ende gar nichts gewisses, — „weder dieZahl seiner Wunden, noch die Zeit, den Moment der Schlacht,da er fiel, noch die näheren Umstände seines Falls". Derganze Tag war sehr trübe und neblig; daher es denn noch eineandere Lesart giebt, einer seiner Dienstknechte habe den Königermordet, um ihm seine Brille zu stehlen (?). Die Märchenüber den Tod des Königs stammen aus einem vielleicht über-haupt apokryphischen Bericht von Hastendorf anno 1633den 16. Juni:
„Derselbe, zum Teil sogar in holprigen Versen abgefaßt, ist eine grausameAigcngcschichte, die der gute Herr vielleicht so lange und so oft erzählt hatte, bis ersie selber glaubte. Der Verfasser will 50 Schritt von Gustav Adolf am Boden ge-legen und gesehen haben, wie der König erschossen worden ,von einem Verräter, dassag ich Dir' . ."