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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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Die Deutschen.

Es ist nicht richtig, daß Derfflinger ein Schneidergesellgewesen ist, sondern nur daß er „der gemeinen Sage nacheines Schneiders Sohn gewesen, der aber statt seines VatersHandwerk zu erlernen lieber sein Glück unter den Fahnengesucht". — Bei der Belagerung Stettins 1677 sollen dieEinwohner, „weil der General-Feldmarschall v. Dörfling einSchneiderbursch gewesen", am Marienturm ein Bild aufge-hängt haben, worauf ein Schneider mit der Scheere und Ellegemalt wäre, über welchen Schimpf derselbe so erbittert ge-wesen, daß er den Kurfürsten bat, ihm Rache zu erlaubenoder aus dem Dienst zu gehn. „Der gütige Kurfürst ließzu und mäßigte soviel er konnte". Diese Geschichte hatOrlich in seiner „Geschichte des preußischen Staates im17. Jahrhundert" II. 258 wiedererzählt und sie in die histo-rische Litteratur eingeführt. „Alle bedeutenderen Berichte derZeitgenossen wissen davon nichts"; der Turm der Marien-kirche ist zwar damals in Brand gesteckt worden, aber durcheine lüneburgische Glühkugel. — Es ist ferner unwahr,daß Derfflinger nicht lesen und schreiben konnte.

Das Testament des großenKurfürsten(ch27.April —7. Mai 1688) ist von Gustav zu Putlitz auf dieBühne gebracht worden. — Die zweite Gemahlin desKurfürsten hat ihn überredet, seine Länder nicht dem ältestenSohne allein, sondern zum Teil auch seinen jüngeren Söhnenaus erster und zweiter Ehe zu vermachen; jedoch hat dieKurfürstin dies nicht etwa aus egoistischem Interesse oder indem ihrer Kinder gethan, sondern weil sie den Kurprinzennicht für kraftvoll genug gehalten hatte, einen größeren Staatzu regieren. Als dann aber nach des großen KurfürstenTode der junge Kurfürst im Beisein seiner Stiefmutter einesehr pathetische Rede hält, sieht sie ein, daß sie sich geirrthat und zerreißt das Testament, nachdem sie sich gleichfallsin längerer Rede geäußert, die mit den Worten endigte: „undalso schrieb er's nicht. — Hier liegts zerrissen" (Akt 5, Auf-