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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
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317
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Die Deutschen.

317

F. Widmann in Stutt-

eine Mitteilung des Rechtsanwaltesgart, der wir folgendes entnehmen:

„Der Roman erschien im Verlage meines Schwagers P. Balz, einer Firma,M der ich selbst finanziell beteiligt, und in deren geschäftliche Dinge ich daher ein-geweiht war. Der Verfasser war der verstorbene Litterat Friedrich^eybold; er war ein genauer Bekannter von mir, und wir haben oft unsern Scherzüber sein Buch gehabt. Um (IMS) die nötigen Geldmittel zum Unterhalt zu ge-winnen, entschloß er sich einen Roman zu schreiben, und wählte hierzu das LebenUnd Sterben Kaspar Hausers in Verbindung mit dem damals verbreiteten Gerüchte,ieser sei ein vertauschter basischer Prinz, als einen anregenden, innerlich roman-ischen Stoff, um so mehr als die Teilnahme des Publikums an Hansels Schicksalene«>en guten Absatz versprach. Schon aus dieser Entstehungsgeschichte des RomansUnd aus dem Mangel jeglicher wirklicher Quellen — denn statt solcher diente für dasangebliche badische Prinzentum nur das umlaufende Gerücht — ergiebt sich, daß der^°nian keinerlei historischen Wert hatte oder auch nur beanspruchte. Was in demselbeninsbesondere gesagt ist über: a) Kasper Hausers fürstliche Abkunft und Beziehungen,seine Vertauschung und die Gründe seiner Berbergung und die Umstände seineruugeblichen Ermordung, o) Äußerungen und Träume seiner angeblichen Mutter (der^roßherzogin Stephanie), ck) über eine Staatsratssitzung wegen der ihm angeblich^enthaltenen Tronfolge — alles dies beruht ganz bestimmt lediglich auf dichterischerErfindung, und wir haben — ich war damals ein junger Mann — oft unsern herz-lichen Spaß daran gehabt, wie Schbold, ein witziger und gewandter Kopf, diese^uchc zusammengemacht hat. Daß er für die eben angeführten Punkte keinerleithatsächliche Unterlage gehabt, kann ich daher mit voller Sicherheit feststellen. AuchE in dem Romane, obwohl er den Namen Kaspar Hausers ans dem^itel führt, über diese Person selbst eigentlich sehr wenig gesagt,fben aus dem Grunde, d aß Schbold nichts Verlässiges darüber wußte,lltie ich nun gesehen, daß in den Druckwerken über Kaspar Häuseriils Tronerben Badens vom Jahre 1840 (1845), 1870 und 1883 (Coppen-fjith), Nlit Veränderung der romanhaften Namen in solche desadische,, Hauses, Hos- und Staatsdienstes, ganze Stücke des'thboldschen Romanes wörtlich oder fast wörtlich ohne Angabe derQuelle abgedruckt sind und zwar so, als rührten sie aus wichtigen"iumenten und Memoiren her, so mußte ich auch wieder weidlich lachen überIffen merkwürdigen Gang der Dinge. Denn dies

^hbolds Schrift, nur dadurch unterschieden, da'cher Weise als das, was sie war, nämliä

sind offenbar Plagiate vonaß dieser die seinige ehr-—...«, __-, .ch als einen Roman be-

zeichnete, während seine Nachschreiben sich mit seinen Federn alsHistoriker aufputzten." Widmann fügte den Worten, mit denen er die Er-tüchtigung diese Enthüllung zu veröffentlichen gab, die treffende Bemerkung hinzu:^a, ich würde es für Unrecht erachten, mit dieser Wahrheit zurückzuhalten, nachdem

sich

bezeigt hat, welche weittragenden litterarischen Folgen sich allmählich an die einstige

^"Nautische Dichtung meines Freundes Schbold angeknüpft haben."

Am gründlichsten aufgedeckt ist der ganze Kaspar Hauser-^chwindel bei Antonius von der Linde in seinem Werke:^spar Häuser, eine neugeschichtliche Legende; Wiesbaden 1887 .Kaspar war ein schlauer Bauernjunge und vorher wohl