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Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
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327
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Die Deutschen.

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Über Schopenhauer (fi 21. Sept. 1860) ist namentlichdurch Dr. Wilhelm Gwinner (Arthur Schopenhauer, aus persön-lichem Umgänge dargestellt; Leipzig 1862 S. 210 und Schopen-hauers Leben; Leipzig 1878, S. 530), eine schon vorher inFrankfurt bekannte Anekdote sehr verbreitet worden.

,,Bei der Mahlzeit sprach er gerne; doch verhielt er sich aus Mangel an taug-licher Tischgesellschaft öfter beobachtend. So legte er z. B. eine Zeit lang täglich einGoldstück vor sich hin, ohne daß die Tischnachbarn wußten, was er damit wollte;Nach aufgehobener Tafel nahm er es wieder an sich. Endlich darüber zur Redegestellt, erklärte er: das sei für die Armenbüchse, wenn die am Tisch sitzendenDsfiziere nur ein einziges Mal eine andere ernsthafte Unterhaltung als über ihrePferde, Hunde und Frauenzimmer auf die Beine brächten."

Sie kam mir verdächtig vor, weil das Goldstück, dasebensogut nur in Gedanken hätte zugesichert werden können,in etwas plumper, aber zum Erzählen günstigerWeise jedesmal wirklich erscheint. Ich fragte deshalb anbei Dr. David Asher in Leipzig (ch 2. Dez. 1890) und beiDr. Gwinner selbst; jener wußte gar nichts darüber; dieserschrieb mir unterm 28. Nov. 1883:

„Die Anekdote vom Goldstück habe ich weder selbst miterlebt, noch kann ich micherinnern, sie aus Schopenhauers Munde bestätigt erhalten zu haben; sie wurde abers> Z. hier allgemein — mir ni kiüloi von r>i. Emdcn — erzählt und ich hatte keinenGrund nachmals an ihrer Echtheit zu zweifeln, da die Tischgesellschaft, indielcher sich Schopenhauer in den vierziger Jahren oft langweilte, ganz dazu paßte."

Ich möchte die Geschichte aber doch für erfunden halten,

teils grade weil die Tischgesellschaft ganz dazu paßte,teils weil Schopenhauer sie selbst in Abrede gestellt hat, wieaus einem Feuilleton der Wiener „Neuen freien Presse" (Nov.1883) von Robert von Hornstein hervorgeht, der häufig mitSchopenhauer abends in Frankfurt im „Englischen Hof" zu-sammen gekommen war, — teils — wenn das nicht genügt,

deshalb, weil eine ganz ähnliche Anekdote von dem DichterWatthisson als von ihm selbst erlebt erzählt wird, über einenEngländer, der sich 1799 in Innsbruck aufgehalten hat,(Schriften von F. von Matthisson, Ausgabe letzter Hand,5- Band, Zürich 1825, S. 253—255), der einen Louisdorebenso vor sich hinlegt, in der — immer getäuschten — Erwartung,die jungen Herren vom Soldatenstand würden einmal von