Buch 
Treppenwitz der Weltgeschichte / von W.L. Hertslet
Entstehung
Seite
335
JPEG-Download
 

Die Franzosen.

335

Sonntags) findet sich jedoch nach Büchmann 16. Auflage,S. 363 in einem allerdings erst 71 Jahre nach des KönigsTode erschienenen Buche (in den der „Geschichte Heinrichsdes Großen" 1681 von Hardouin de Porsfixe angehängten„denkwürdigen Worten"; denkwürdige Worte sind immer ver-dächtig). — Über die Aufzeichnungen Sullys (Oseo-romr'«?«>°6M?6s) sagt Philippson in seinem auf gründlichem Quellen-studium beruhenden Werke: „Heinrich IV. und Philipp III. rc.- . . 1598—1610" Berlin 1870 im Vorworte:

„Den Memoiren Sullys durfte nur sehr bedingter Glauben ge-schenkt werden, da sie erstens in vielen Einzelheiten ungenau, dann aber vorzüglich"üt grenzenloser Parteilichkeit, Selbstüberhebung und Feindseligkeit gegen alle anderenbedeutenden Männer der Zeit abgefaßt sind." —

Ferner Teil I, S. 20, Note:

„Nur Leopold v. Ranke im S. Band seiner Französischen Geschichte hat mitdem ihm eigenen historischen Scharfblick die Unzuverläisigkeit Sullys in vollem Maße

erkannt."

Deshalb bezweifle ich auch die Wahrheit der berühmtenScene (Oesmr. III. S. 401 ff.), in welcher Sully

das Eheversprechen zerreißt, welches Heinrich IV. demFräulein von Entragues übergeben wollte, worauf derKönig jedoch sofort ein neues ausgestellt hätte. Es scheintdoch, daß, wenn der König und sein Minister auf einem Fußegestanden, der ein solches Vorkommnis möglich macht, jenerauch dem vernünftigen Willen des Ministers nachgegeben habenwürde. Ich bemerke jedoch, daß ich bis jetzt keinem Zweifelbetreffs dieser Scene begegnet bin. — Dagegen wird der be-rühmte „große Plan" Heinrichs IV., wonach in Europasünfzehn gleich mächtige Staaten geschaffen und zueiner „christlichenRepublik" verbunden werden sollten,an dessen Ausführung ihn nur seine Ermordung durch Ravaillacgehindert habe, als nur aus Sullys Phantasie entsprungenanerkannt; schon Voltaire in seiner

Wmr/. bestritt die Richtigkeit der Angabe; (Philipp-en: Westeuropa im Zeitalter von Philipp II., ElisabethUnd Heinrich IV.; vergl. auch M. Ritter: die Memoiren