Die Italiener, die Spanier, die Schweden rc. 439
suche, sie anders zu deuten, scheiterten; er nahm sie daher zurück und gab sie alseinen Irrtum aus, wie er dies ja auch in andern Fällen gethan hat."
Den Anstoß zu der Erzählung hat wohl die Bibelstelle1. Korinther 13 2 gegeben: „Der Glaube versetzt Berge"(ähnlich Matthäus 17,20; 21,21 und Markus 11,23).
Über die „Geschichte und Litteratur des Schachspiels"giebt es ein mit fast beängstigender Gründlichkeit und Gelehr-samkeit verfaßtes Werk von Antonius von der Linde, in2 Bänden, Berlin 1874 bei Julius Springer. Trotzdem be-merkt der Verfasser gleich im Vorwort Seite VIII:
„Naiven Erwartungen gegenüber muß ich ... . von vornherein bestätigen,daß ich das Erfindungs-Protokoll des Schachspiels noch immer nicht entdeckt habe."
Teil II Seite 462 f. findet sich eine Zusammenstellungderjenigen sichern oder durch Schlüsse erlangten Daten, welchebetreffs des Schachspiels nachweisbar sind. Darnach ist dieErfindung desselben in das 8. Jahrhundert n. Chr. und nachIndien zu setzen. Bloße Fabeln sind die in Schulbüchernhäufige Erzählung, der Großvezier eines persischen Schahshabe das Spiel erdacht, um diesem zu zeigen, daß er trotzseiner persönlichen Wichtigkeit doch nichts ohne seine Räteund seine Truppen ausrichten könne; ferner die andere, daßder indische Erfinder Sissa Jbn Dahir von dem KönigeShihräm, der von dem Spiele entzückt war, auf dessen Auf-forderung sich eine Gnade auszubitten, um soviel Weizenkörnergebeten habe, daß auf das erste Feld des Schachbrettes eins,auf das zweite zwei, auf das dritte vier, auf das vierte achtu. s. w. auf jedes folgende doppelt soviel als auf das vor-hergehende gerechnet wurde. Der Schah, heißt es dannweiter, hätte ohne sich viel zu bedenken, die Bitte bewilligt.Als man aber die Summe der Körner nachgerechnet, hättesich herausgestellt, daß die ganze Erde soviel Weizen nichttragen könne. In der That beträgt diese Zahl 2^—1; dasist ausgerechnet 18 446 744 073 709 551615.