Doris.
großem Geschmacke, wie Audrans feine, undeben so seine Striche minder malerisch, als diedieses letztem. Sonst legte er dieselben auf einebreite Manier an, welche ihnen eine große Festig-keit gab, und schien dabey, die Nadel mit ebenso viel Leichtigkeit als den Grabstichel geführt zuhaben. Alles in seinen Blättern athmet diese Leich-tigkeit. Dann aber waren seine Grund schraffirun-gen in den Schatten weniger enge als die vonAudran, und gewährten daher mindere Ruhe; be-sonders aber stand er diesem Größten unter Allenin den Strichen seiner Lichter und Halblinken nach "Unbeschränkter preist Füßlk (I. 123—24) unsernKünstler, wie folgt: »Seine Manier war eine soglückliche Verbindung des Grabstichels mit derRadirnadel, daß seine meisten Stucke sowohl dieStarke als auch die Haltung der Gemälde haben.Er war ein lreflicher Zeichner, hatte ein ungemeinfeines ästhetisches Gefühl, und wußte den Geistder Meister, nach welchen er stach, ganz zu fassen.Seine mechanische Behandlung war ein glücklicherMittelweg zwischen gar zu großer Kühnheit, undzwischen übertriebener Feinheit und Zierlichkeit,und wirkt sowohl beym ersten Anblicke, als beylängerer Betrachtung, gleich stark auf das Auge."In den 23 - Jahren, welche er in Italien zubrachte,stach er nach den Meisterstücken der größten Künst-ler aller Zeiten, verschaffte dadurch den ächtenLiebhabern auf immer einen köstlichen Genuß, undvermehrte schon bey seinem Leben außerordentlichseinen Ruhm. Im I. 1711. erhielt er den bekann-ten Ruf nach London , und in 1719. überreichte erdem Hofe das erste Exemplar seiner berühmtenBlätter nach den sieben Kartons von Raphael.Das Werk ward auf Subscription von 5- Guineenunternommen. Mit Reichthum und Ehre über-häuft, kehrte er dann in sein Vaterland zurück,wo er in 1725. bey der Akademie der Malereyaufgenommen ward. Die von ihm gestochenen (fürein so langes arbeitvolles Leben nicht sehr zahl-reichen) Blatter finden sich bey Rost VII. 366-70.bisher wohl am Vollständigsten verzeichnet; dochvermißt man dort die vier schönen Evangelistennach Domenichino in Andrea della Valle . Dievorzüglichsten, nach Füßli's Urtheil, welche er imI. und ll. Th. seines raisonnirenden Verzeichnissesanführt, und dabey, nach seiner Weise, die Ge-mälde selber anschaulich beschreibt, und richtigwürdigt, sind, neben den weltberühmten Blätternder Verklarung und der Kartons nach Raphael,so wie der Abnehmung vom Kreuze nach Dan.von Volterrano; die Marter von St. Sebastian,nebst den erwähnten vier Evangelisten, nach Dome nichino ; die Dreyeinigkeit nach Guido; der Todder H. Petronilla nach Guercino ; der auf demWasser wandelnde Petrus nach Lanfranco, unddie beyden Vorstellungen der Nymphe Salmacisnach Albano, wozu wir noch das Grabmal vonJnnocenz X. nach Algardi zahlen möchten. DiePlatte von der Verklärung befand sich in 1770.noch in Paris , kam aber seither nach London , wosie von Rob. Strange aufgestochen worden, wasauch der Fall mit der Abnehmung vom Kreuze zu-verläßjg zu seyn scheint, so daß alle gute Drückevon beyden täglich mehr zu den für wahre Kennerköstlichsten Seltenheiten gehören. Etwas kalter in-dessen als alle obigen, und als wir selber,über diesen Künstler — wenn wir uns nicht trügenallzukühl — urtheilt die Schrift: Winkelmannund sein Jahrhundert (S. 236^) über den-selben, wenn sie von seiner Verklärung spricht:«Daß die Gestalten und Charaktere des Originalsdarin ziemlich treu dargestellt sind"; und dann imAllgemeinen hinzusetzt: »D- zeichnete gut, und dieManier, deren er sich bedient hat, ist kräftig, frey,malerisch. Vortheilhafter für Blätter von beträcht-licher Größe, als für kleine Werke, deutet sie dieWirkung von Licht und Schatten nebst derHaltung hinlänglich, die Lokalfarben aber nurwenig an."
* Doris. Ein Beyname, unter welchem C.k. Ctahlbanm das Bildniß der berühmten Su-
Dorner. 295
sanna Maria Dorsch geätzt hat; so daß S) 8. V.Drekcü sich irret, wenn er eben dieses Bildniß fürdasjenige der ebenfalls bekannten Künstlerin letz-tem Namen ausgiebt.
Dorn, (Sebastian), Kupferstecher zu Nürn berg , atzte unter andern: Lacke Generals ek iki-neraire «lo kolo^ns 1776.
— — (die Gebrüder). Ob unter einem der-selben der vorhergehnde Sebastian zu verstehensey, ist uns unbekannt. Von den beyden Gebrü-dern hieß es um l? 95 . aus Bamberg : Sie härtendie bisher Lau; verlorene Kunst, die prächtigengoldenen Buchstaben in den alten sogenannten Mis-salen nachzuahmen, wieder gefunden. Selbst anDauerhaftigkeit sollten sie den alten in nichtsnachstehen, u. s f. Mas — hochgesprochen war.
* Dörner, (Jakob). Im I. 1759. verließer seine Heimath und gieng nach Venedig . Hierstudierte und blieb er, so lang es ihm sein mäßigesGeld erlaubte. Alsdann kam er nach Deutschland zurück, zierte in der Gegend von Memmingen eineKirche in Fresko, und half zu Augsburg demKünstler Mages verschiedene Häuser ebenfalls aufnassen Kalk zu malen. Schon 1762. (vor seinerReise in die Niederlande , welche er erst 1766. be-gann) erhielt er zu München (und zwar nochbey Lebzeiten des damaligen Galerie - Direktorsvon Fasmann , und auf Empfehlung desselben)den Auftrag, die Stelle eines Generalinspektorsder Churfürstlichen Malereycn zu versehen, mitdem seltsamen Bedinge, vier Kabinetsstücke in G.Douws Geschmacke, jährlich zu liefern. In denNiederlanden wendete er dann eben zwey volleJahre darauf an, die Geheimnisse der niederländi-schen Schule zu durchdringen. Dort lud ihn derenglische Antiquar Alton nach London ein; alleindiese Reise wurde durch Churfürstl. Befehl gehin-dert. Hierauf gieng er nach Paris , und kehrtealsdann nach München zurück, wo er jetzt diewirkliche Stelle eines General-Inspektors, balddarauf diejenige eines wirklichen Hvfkammerrathsnnd die zrveyre Direktorsstelle (wie viele Entia!)mit vermehrtem Gehalt erhielt, und nunmehr derjährlichen Frohne von vierKabinetsstücken ebenfallsüberhoben ward Im I. ,??4 verfertigte er denPlan zur Zeichnungslehre für die Chmbayer'chenSchulhäuser, nachdem er selbst die Stelle des Leh-rers dieser Kunst an dem Gymnasium zu München eine Weile versehen hatte. Von der nämlichen Zeitkennt man einige kleine geatzte Blätter von ihm,(welche Kostumestücke vorstellen, die der winkler-sche Gantkatalog in Rembrandtischen Geschmackeund sehr anziehend gearbeitet nennt). Soweit dasBiographische seiner Geschichte, so wie sich solchesin der pfalzbayerschen Muse von 1736. St.VI und VIl. und a. demselben auch im Meus.Museum ( 1 . 74 - 87 .) nur allzuweitschichtig findet.Was dann seine Kunst betrift, so heißt es dort(mit allerley übrigens nicht unfein gedachten Aus-schweifungen) substanzlich neben Andern,: »Ger.Dows Delikateß unaufhörlich zu betrachten, undFr- Mieris Kühnheit, war seine mühsame Be-schäftigung; und darin brachte er es auch so weit,daß man ohne Schmeicheley sagen darf, er seyin der Reinigkeit der Schatten und dem Helldunkelein großer Meister. Mehrere seiner Gemälde dieserGattung find bald in alle Lander gekommen. Erschien für dieselbe geboren zu seyn, indem er, nebstreinem Colorit, die Leidenschaften der Menschen be-sonders gut ausdrückte Doch sein Geist klebtenicht zu lange an der niederländischen Kleinmalerey;auch die Heldengeschichw und die hohe Allegoriehatte viel Anziehendes für ihn; er durchblättertedie alte Geschichte, nahm auch nicht selten Gegen-stände aus dem H. Text,, und brachte sie mit vie-lem Beyfall in seine Gemälde." Dann rühmt dieserAufsatz die unstudirte Pyramidalform seiner Kom-position , die Auswahl seiner nie ohne Noth zahl-reichen Figuren, die gute Ausspendung von Lichtund Schatten, seine wohlangebrachten Mitteltinten,