Band 
Zweyter Theil [1].
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301
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D r o u a i s.

den gewohnten Vergnügungen, geschweige den Aus-schweifungen der Jugend einer großen Hauptstadt;seine einzige Freude war Arbeit, und sein liebsterGewinn das Gelingen derselben. Jtzt rief ihn, nochin demselben Jahr, seine Bestimmung nach Rom ,wohin er seine» Lehrer David begleitete, der, wiewir schon wissen, zur Ausfertigung seiner Horatierdamals zum Zweytenmal dahin gegangen war.Hier setzte Drouais, wie man sich denken kann,seine Studien mit größer,» Eifer als jemals fort.Auch fand das erste Bild, das er zur Ausstellungdes I i ?85 nach Paris sandte, ungemeinen Bey-fall ; es war die Figur eines sterbenden Gladiators,und ist wahrscheinlich das nämliche, von welchemseither (1804.) Monialdy, nach einer Zeichnungvon Gautherat die Scizze, unter dem Titel: 8 ol-äst störrisch blosse, ÜAure ä'etuäs psiute astome par Drouais, gestochen hat. Im folgendenJahr 1736. sandte er dann seiner glücklichenMutter das vortrefliche Gemälde seines Marius zuMinturnum, wie er durch Blick und Rede den cim-krischen Soldaten zurückschreckt, der abgeschicktwar, ihn zu ermorden.Dasselbe" (sagt LandonAnna!. V. 14546. wo er zugleich, so wie Morizund Hirt l. 0. davon eine Abbildung im Umrissegiebt)gehört unter die seltenen Hauptwerke derKunst, von denen ein einziges hinreicht, dem Künst-ler seinen Platz unter den größten Meistern anzu-weisen. Die Zeichnung ist correkt und bestimmt.Der Kopf des Manns ist vorzüglich gut und wahr.Drouais studirte nach den antiken Münzen , um dieachte Gesichtsbildung des großen Mannes zu fin-den , und es war ihm gelungen, einen hohen Cha-rakter mit dem kräftigsten Ausdrucke der Gemüths-Bcwegung zu vereinigen. Auch die Ausführung,welche den Werth aller andern guten Eigenschafteneines Kunstwerks erst recht erhöhet, hat ebenfallseinen großen Grad der Vollkommenheit." Hinwie-der fand Fiorillo (l. c.) besonders das Erstaunenauf dem Gesicht des Cimbers meisterhaft ausge-drückt; Zeichnung und Anordnung des Ganzen inhohem Styl; auch Farbe, Licht und Schattenschön behandelt.Dagegen" (fahrt er fort)tadel-ten einige Kunsirichter, daß er überhaupt in diesemKunstwerke den Fußstapfen seines Lehrers allzusehrgefolgt sey; wünschten" ^wohl nicht ohne Grund)daß er seinem Helden einen ediern Charakter inden Formen des Körpers gegeben hätte, der sichz» dem Feuer des Kopfes allzukalt verhalte; undendlich, daß der Gang des einbrechenden Licht-strahls in den Kerker besser angedeutet wäre, daderselbe nur die Figuren beleuchte, und den Hinter-grund zu sehr ohne Widerschein lasse." Diesemletzter» Urtheil stimmt auch die Schrift: Winkel-mann und sein Jahrhundert (zi 5 .) wesentlichvollkommen bey:Geschmack und Darstellungs-weise überhaupt" (heißt es dort)hatten in diesemGemälde mit Davids viele Aehnlichkeit; die Wir-kung durch Farbenglanz und Schimmer, und hef-tige Gegensatze von Licht und Schatten waren hiernoch auffallender; der Gegenstand bedingte und er-schwerte die Anordnung. Auch blieb D. in derZeichnung etwas hinter seinem Meister zurück.Dessen ungeachtet hatte das Werk sehr viele Vor-züge, und mußte in verdiente Bewunderung setzen,wenn man nebenher noch die Jugend des Künst-lers in Anschlag brachte, welcher damals kaum 24.I- alt seyn mochte." Er, der überhaupt mitseiner Arbeit gewöhnlich am meisten unzufriedenwar, nahm daher auch die Kritiken, die man überdieses Gemälde machte, so bereitwillig auf, daß erdieselbe Scene noch einmal ins Kleine darstellte,und varw alles, was man nach seinem Sinnew>t Grund an dem großen Bild ausgesetzt hatte,vermied. Der einzige Vorwurf, welcher ihn zuschmerzen schien , war jener, der Nachahmung sei-nes Lehrers. Daß er aber auch diesen in seinemNaasse zu fühlen schien, bewies seine mehrmaligeVersicherung, daß künftig sicher auch dieser ihnnie mehr treffen sollte. Um dieselbe Zeit unternahmer verschiedene neue Arbeiten; er copirte den bekann-ten, hauptsächlich durch seine Anordnung merk-

Drouin. Ior

würdigen Dominichino (das Urtheil Gottes überdie ersten Menschen) im Pallaste Colonna, undmalte-einen Philoktet sein letztes vollendetesWerk welcher ebenfalls große Schönheiten,vorzüglich in der Vertreibung der Tinten enthielt.Aber seit langer Zeit beschäftigte ihn nichts so sehr,als die Idee eines großen Gemäldes, das denCasus Gracchus darstellen sollte, der, ohne aufdie Bitten und Thränen seiner Gattin zu achten,seine Wohnung verlassen, und sich unter das em-pörte Volk mischen will, wo er seinen Tod fand.Zu dieser Arbeit machte er eine Menge größrer undkleinrer Studien ; und weil der Hintergrund desBildes eine Aussicht von Rom enthalten mußte, soverfertigte er sogar einen Grundriß der Gegend, alsLokal jener Scene, wobey ihm sein Freund Hu-bert, ei» geschickter französischer Architekt (wel-chem Frorst!» die meisten Nachrichten über unsernKünstler verdankt) hülfreiche Hand leistete. Bereitswar Alles entworfen, die Ausführung wirklich an-gefangen , und der Künstler gedachte eben noch ander Figur der Licinnia eine bedeutende Abänderungzu treffen, als ihn die Pockenkrankheit befiel, undihn wie es hieß eines unzeitigen Aderlasseswegen, am iz. Febr. 1788- 24. I. 2. Monate alt,dahin raffte. Ganz Rom betrauerte den unersetz-lichen Verlust. Sein großer Lehrer thut es nochauf den heutigen Tag.Nun er todt ist" (sagteer oft^hab' ich nichts mehr, das mich anspornt.Er wärmte mich, erregte meinen Wetteifer, undunterhielt meine Kunsiliebe." Alle seine Freunde,Mitschüler und Gcistesgeuossen hatten über seinenungewöhnlichen Werth nur Eine Stimme, undjeder fühlte den Schlag, welcher der französischen Schule ihren hoffnungsvollsten Jüngling entriß.Jene errichteten ihm daher ein Monument in derKirche St. Maria in Vita lata zu Rom , welchesder Bildhauer Michelon in einem guten Styl aus-führte , und von dem man einen Abguß in Gypsunter den von Lenoir gesammelten französischen Monumenten im Museum zu Paris findet. Das-selbe stellt die drey vereinigten Künste vor, wovondie Malerey den Namen Drouais um sein Me-daillon schreibt. Auch David weihte ein kleinesDenkmal dem geliebten Schatten seines Schülersund Freunds.Hätte" (schließen die Notizzenbey Fiorillo)Drouais länger gelebt, so würdeer, bey seiner Begeisterung für Alles was groß,erhaben, gut und edel war bey seiner zarten,unbegränzten Empfänglichkeit für die Eindrückedes Schönen und seiner reichen Einbildungskraft,ein zweyter Poussin geworden seyn, vorzüglich daer den Entschluß gefaßt hatte, sich in Rom nieder-zulassen. Die wenigen Studien und unvollendethinterlassenen Scizzen von ihm, werden gegenwär-tig zu Paris bey seiner Mutter bewahrt, welchenamentlich auch im Besitze derjenigen seines C.Gracchus ist, von welcher man einen durch denRitter d'Agincourt in Rom veranstalteten Kupfer-stich kennt, der sich in den IVIemorie per le belleArü IV. 225. befindet, so wie eine Darstellungderselben in bloßem Umrisse bey La ndo n (Anal.I. 107-8) wo es davon heißt:-Die Figurendieses Entwurfes sind in natürlicher Größe: DemGanzen muß man einen edeln, verständigen Styl,eine richtige Zeichnung, vielen Ausdruck, und einewohlgeordnete Drapperie zugestehen. Die glück-liche Anlegung der Gruppen, und der Reichthumder Architektur in dem Hintergrund zeugen voneinem vollendeten Künstler," u. s. f.

* Dro ui'lly, (Joh.), der Bildhauer. Nachihm hat S- Lhomaffln le Poeme beroiyue, undVase äs msrbrs su 8 oleil gestochen. Akn.

Drouin, (Madame). Eine Künstlerin diesesNamens wird im Almanach äes Kesux-Arts von180z. unter den damals zu Paris lebenden BildsHauern angeführt.

(Fräulein vo,V. Von einer Künstlerinoder Liebhaberin dieses Namens sah man auf einer

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