Band 
Zweyter Theil [1].
Seite
390
JPEG-Download
 

Zgo Freudweiler»

sollten. Gau ; anders zeigte sich sein Kunstgenieeben sowohl, als die Gewandtheit seines Geistes,in dem Entschlüsse: Durch Darstellung mannig-faltiger Hausszenen aus der Schweizcrfchen Men-schen - Natur des Bernerschen Oberlandes, in leichtgeatzten, und sodann von dem fleissigen Künstlerselbst (nicht von Fabrikgesellen beyderley Geschlechts)sich eine ganz neue Erwerbsbahn zu öffnen. Mages seyn, daß seine Schweizermänninen und Toch-ter meist eine Mischung von französischer Artigkeitmit der naiven Grazie ihres eigenen Landes in sichvereinigen, so war es doch (im Dezemberstück iZoi.des Journals des Luxus und der Moden) zuviel gesagt:Beym Anblick einer Freudenber-gerschen Figur sollte man schwören, es habe sichein Mädchen aus Bouchcrs Fabrik in Oberhaßli-sche Kleidung gesteckt. Die Dirne steht beym Dün-geraufladen in der ersten Position." Solche Ge-schäfte, wo auch nur etwas dem DüngerladenAehnliches getrieben wurde, wählte Freudenber-ger nie zu seinem Bildern;denn schwerlich"(heißt es im Helvet. Journal für Litteraturund Lunst II. 22128-)hat wohl je ein Künst-ler einen zartern Sinn zu Vermeidung alles Gemei-nen , Unangenehmen, und in seiner Gattung Unsidyllischen gehabt, als er. Ihm lachten nur Szenenaus der ediern Natur seiner Alpenwelt." Dieserfeine Geschmack, vereinigt mit einer festen Zeich-nung, und der Gabe des schnellen Auffassens allesCharakteristischen seines Gcgenstgnds, gab seinenBlattern zugleich ein Gepräge von Anmuth undWahrheit, weicher seither, in solchem Ebenmaaßaller Theile zum Ganzen, von keinem seiner Nach-folger in dieser Gattung ist erreicht worden. Zudem Vorzüglichsten gehören sein: Osyart etKetour<lu 8 o 16 at dniüse; 1a kslsnceuse, les Lüanteuses6a lUois cls Mai, und hauptsächlich: 1 a Visite anOlialet. Au den frühern Denkmalen seiner Arbeit-samkeit und Kunst zählen wir dann vornämlich seinim I. 1792. zu Bern erschienenes Heptsmeron

Iran^ois, ou blouvelles 6e la Keine IVlarAueritsäe dlsvarre, wo er mit Cochin und andern seinerVorgänger, in geistvoller Abbildung der Menschenund Sitten eines gegebenen Zeitalters aufs Rühm-lichste wettgeeifert hat. Für die Hauptblätter warendie Stecher dieses Werks hauptsächlich: Gutten-berg , Halbou, Henriquez, de Launay der jüngere,Longueil, le Roy und Thiebault ; für die Vignettesund Culs de - Lampe Dunkcr. Aehnlichen Antheilhatte er an mehrern Blättern der: Kulte U'Lstam-ys8 yollr servir a l'küstolre 6es b/loeurs et Cou-tumss kies Lran^ois clans 1s XVIII. Kiecle. Owie kannte er diese, und wußte sie, in seinem an-ziehenden Umgänge eben so gut mit Worten undGebehrden, wie mit dem Griffel zu schildern! Denvortreflichen Mann, der sonst die unerschöpflich froheLaune selber war, hatte in den letzten Monathenseines Lebens ein geheimer Unmuth nicht unwahr-scheinlich über die bedeutende Abnahme einheimi-scher und auswärtiger Bestellungen, denen er sonstfrüher hin nie genug thun konnte, fast plötzlich er-griffen; dem aufs Traurigste niedergedrückten Ge-müthe erlag endlich seine ohnehin zarte Leibesschaf-fenhett. Er starb im Sommer iZoi, noch zu dieserStunde bewundert, geliebt und beweint von Allendie ihn kannten Gute Nachrichten von seinen ver-schiedenen Arbeiten, und zum Theil sehr richtigeBeurtheilungen derselben s. in Meufels Mus.II 6i. XIV. ioi? lJ. Mus. 428-62. und48082. lsl- MieceU. 545 47 - und endlich Ar-chiv lV. 59 auch im fournsl 6er dilkl. Künste156-46- Der Künstler la Fond in Bern , seinehemaliger Schüler, übernahm es, weiter die Blät-ter desselben - nach den Originalen , ganz im Geiste,und mit allem Fleiß und der Niedlichkeit, die mandaran zu sehen gewohnt war, zu liefern. Helvet.Journal 1. 104.

* Freud weil er, (Heinrich), geb. zu Zürich 1755 . lernte die A»f»r,qsgründe der Kunst bey sei-nem Mitbürger, dem geschickt«», fiandschaftsmalerHeinrich Wüst ; aber schon frühe leitete ihn seinHang vielmehr, theils auf historische Bildnisse,

Freudweiler.

theils auf sogenannte Gattungsstücke. Im 1.17.^gieng er nach Düsseldorf , wo er 18- Monathe >anödie Akademie fleissig besuchte, und eben so ein«Weile die Galerie zu Mannheim . In 1731. machteer mit dem, damals schon so berühmten Ludwig Heß eine Gebirgstour in die italienische Schweiz und 1784 - mit Conrad Geßner eine zweyte Reisenach Deutschland , wo er sich zu Dresden unterGraf, zu Berlin unter Chodowiecki , dessen Freund-schaft er ganz gewonnen hatte, immer mehr zu ver-vollkommnen suchte, und alsdann über Dessau undKassel nach Haus kehrte. Der vortrefliche Fürstvon Dessau , bey dem er ein Jahr zuvor in Zürich durch Lavatern eingeführt wurde, wollte ihn an sei-nen Hof ziehen, indem er ihm einsweilen, auffürstliche Unkosten eine Reise nach Rom vorschlug.Allein Unabhängigkeit war für ihn ein Idol, demer selbst die größten Vortheile nie aufzuopfern ver-mocht hätte. Nach seiner Rückkehr war fein erstesGemälde, welches ihm einen eigentlichen Ruf selbstim Ausland durch den Stich erwarb, den derMechelsche Kunstverlag, unter dem Titel: Is8oi-licituöe 6'üne Ners 6ans l'eternlte davon gelie-fert hatte, ein allegorisches Denkmal auf denTod der Gattin seines Lehrers Wüst, welches,nicht ohne Grund, bey seinen Mitbürgern so vielenBeyfall fand, daß er sich bey ähnlichen Traueran-lässen, mit künstlerischen Anspielungen auf Wieder-sehen und Auferstehung beynahe erschöpfen mußte.Bald nachher wagte er sich in das neue, noch weitschwierigere Fach der eigentlichen Geschichtsmale-rey, wozu er sich vorzüglich Szenen aus den alternSchicksalen seines Vaterlandes wählte. Zu seinengelungensten Arbeiten dieser Gattung gehören: DieWeiber und Mädchen von Zürich , wie sie in krie-grischer Rüstung im 1 .1298- den Kaiser Albrecht I.täuschen, daß er die Belagerung der Stadt auf-hebt; Johann von Hallwyl, vor der Schlacht beyMurten , und Johann Waldmann, welcher anderSpitze des Zürcherischen Hülfcontingents gegenKarl den Kühnen, zu Bern freundschaftlich bewir-thet wird. Diese beyde letzter» kamen nach Bern .Dann den erwähnten Ritter Waldmann auf demSchaffotte, wo besonders die Gruppe von Zu-schauern im Vorgrund durch die Wahrheit des Aus-drucks Bewunderung verdient; dieses im Best?des H. Amtmann Kellers in Zürich ; und endlichsein letztes Gemäld, welches den Abt von Engel­ berg vorstellt, der in 1488. nach einem durch Hülfeder Luzerner und Unterwaldner gestillten Aufruhr,den Anführern der Unruhigen das Leben schenkt.Neben diesen historischen Stücken hatte er seiti? 8 c>. eine Menge kleiner historirter Bildnisse, meistmit Stillleben, bisweilen auch mit Landschaft staf-firt gefertigt: Ich male Herren und Frauen,'(schrieb er an einen Freund)Jungfrauen undJunggesellen, Alles auf Einem Blatt, gebe ihnenRosen und Briefe in die Hände, lasse sie Tobackrauchen und Thee trinken, wie man's haben will;mache zu Zeiten eine Allegorie auf die Lugend derWeiber, und halte sie im Respekt. Dann reit' ichmir auf einem Gaul die Hypochondrie zum Teufel,oder blase ein hübsches Zagdstückchen auf meinemHorn." Diese wenigen Wort enthalten den Cha-rakter seines Styls im Leben und in der Kunst.Diese letztre gieng, hauptsächlich in der Wahrheitder Darstellung alles Details und in einem sehrkräftigen Farbenton sehr oft ins Trefliche; nur inEinem wichtigen Theile selten ins Tadellose. Erselbst nämlich bedauerte es wohl am meisten, daßer sich nicht früher in fester und sicherer Zeichnunghinreichend geübt, und in jüngern Jahren sichzwischen seinen zwey Lieblingsneigungen für Male-rey und Musik allzusehr getheilt hatte. Sein Ge-fühl , daß es hieran gebrach, war oft sehr peinlichfür ihn, da es ihn nicht selten bey der Stellungund Action einer einzclen Figur, und noch mehrbey der Zusammensetzung eines Ganzen hinderte,auf seine Leinwand das Bild und den Gedankenzu werfen, den -r svnlt so schicklich, so richtig undso lebhaft wie Einer in seinem Kopfe trug. Nocherwähnen wir von ihm einiger glücklicher Versuche