Band 
Zweyter Theil [1].
Seite
623
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K i l i 6 n.

Geschlechts, uncrmüder, und mit solcher Kunst,daß, wie schon das Lex. bemerkt, seine Zeitgenossenihn dem Egid. Sadeler zur Seite setzte», In seinenhistorischen Blattern herrscht große Leichtigkeit undKühnheit des Grabstichels; nur wünscht man zumOeftern in seiner Zeichnung mehrere Richtigkeit,und weniger Manier in den Umrissen, zumal inden Stücken nach Spranger (sonst Sa-ncke/üm).Seine Fertigkeit war so groß, daß er nicht seltenzwey Bildnisse in einer Woche lieferte. Ein Ver-zeichniß meines scl. Vaters führt derselben an 2Z0.Rost aber (I. 24243.) vierzehn der beßten an,und unter diesen, als selten, sein eigenes, in i6Z5.auf eine Silberplatte gestochenes. Von historischenkennen wir an die ho. von welchen man: Eine Pieta'und eine Gruppe mit Hercules, beyde nach Buona-roti eine H. Familie mit fast halb lebensgroßenKöpfen nach C. von Harlem eine Kreuzabneh-mutig durch die Engel und einen Proserpinen-Raub,beyde nach Jos. Hain; die Anbetung der Hirten,nach dem jünger» Palm« eben diesen Gegen,stand, einen Christ am Kreuze, und eine Victoria,alle nach Rotrenhammer den colossalen St.Michael, nach I. Reichel's Bildsäule Mercurund Cupido (Liebe durch Klugheit gefesselt) nachSpranger die Brodauslheilung nach Tintoret,und eine Auferstehung Christi nach P. Veroncse,unter die vorzüglichsten zahlt. Aus obigen werdendie beyden letzter», nach Tintoret und Caliari, auchvon Füßli (III. iot. und iZg.)und neben denselbeneine Auferweckung Lazarus , nach dem jüngernPalnia (ib. i 58 .) angeführt, und ihre Urbilderbeschrieben. Dann nennt der Winklersche Katalogvon ihm 12. Blätter chimärischer Thiere und andrergrotesker Wesen, unter dem Titel: Lleues Schild,Küchlein, 4.0 rkaZ. als meisterhaft, und hinwiederals sehr zarr, auf schwarzen Grund gestochen: Diesieben freyen Künste (8. Bl. mit dem Litclbl. 1606.);endlich einen an eine Säule gebundenen Greisen,den ein starker Mann mit Ruthen schlägt, mitgroben Strichen geätzt, von großerWirkung. Diesergeschickte Mann starb ohne Kinder. Seine histori-schen Blätter scheinen meistens von früherm, dieBildnisse von späten« Datum zu seyn.

* Riltan, (Marc Philipp), wolsgang Phi-lipps ältester Sohn, geb. 1674. gest. 1710. Hei-necke I. m.

(Paul), N)o!fgang Philipps fünfterSohn, geb. zu Augsburg ,687. ebenfalls Kupfer,siecher, der sich eigentlich nirgends lange aufgehalten,sondern theils zu Nürnberg , theils zu Wien , theilszu Breßlau gelebt, und für andre gearbeitet hat.Starb in letzrrer Stadt unverheyralhet 1718. Hei,necke I. 107108.

(Philipp), des nachfolgenden Wolf,gangs zweyter Sohn. Ein Verzeichniß meinessei. Vaters führt von ihm gegen öoo. Bildnisse(unter denselben an die 100. von Künstlern), mitund ohne Namen des Malers an. Diese großeZahl rechnen wir ihm zu keinem Verdienste; wohlaber bemerken wir, daß, neben Andern, fein schonim Lex. angeführtes Bildniß von Heinrich Roos ,nach eigener Zeichnung zu dem Schönsten gehört,was wir in dieser Gattung kennen, und daß unserPhilipp, wohl ohne sein Verschulden, nicht den,jenigen Ruf genoß, der hingegen andern Künstlernaus seiner Familie (freylich nicht unverdient soreichlich zu Theil ward. Für große Bildnisse warer besonders geschickt, /fstukieu.

* (Philipp Andreas), des obgenannken

Georg R- dritter Sohn, Zeichner, Kupferstecherund Kupferätzcr. Bey G- M. Preißler zeigte erdie ersten Proben seiner Geschicklichkeit in denBlättern welche er zu Scheuchzers sacra

lieferte. Alsdann vervollkommnete er sich immermehr auf seinen Reisen durch Deutschland und dieNiederlande , so daß er unter die beßten historischenStecher seiner Zeit gezahlt werden darr, da ertheils selbst ein treflicher Zeichner war, theils seinenGrabstichel sehr schön mit der Aetzuadel zu verbin,

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den, und dadurch seine Gegenstände in ihremwahren Charakter darzustellen^ wußte. Beweisedavon geben die zahlreichen Blätter, welche er fürdie Sammlungen der siitture äel 8alons Imps-rials <le pgla^o äs stiren^e (17hl.), die Galerievon Brüht (1764») hauptsächlich aber für dieDresdner,Galerie , fast alle nach seinen eignenZeichnungen, gestochen hat. Auch schätzte ihn derKönig von Polen , August III. (welcher ihn vor,zugsweise seinen Kupferstecher nannte, obgleicher niemals in dessen eigentliche Dienste treten wollte,sondern lieber in seiner Freyheit zu Augsburg blieb)so hoch, daß, wenn andre Künstler ein Gemäldnicht nach seinem Wunsche bearbeitet hatten, esimmer hieß: Man muß es durch Bilian wiederstechen lassen." Als indessen der siebenjährige Kriegdie Fortsetzung jenes Prachkwerkcs unterbrach, sounternahm er für eigene Rechnung seine bekannteBibel, welche zwar keines seiner vorzüglichstenWerke ist, aber doch einige recht gute Stücke ent-hält, und das eigenthümliche Verdienst hak, daßbald alle (rZo.) Blatter derselben die mehr undminder bekannte» ältern biblischen Darstellungengroßer Meister im Kleinen liefern. Von seinenübrigen (einzelnen) fuhrt ein Verzeichnis meinessei. Vaters an die 4 ». von Bildnissen an die 20.Rost aber (l. 20253.) die nach seinem SinneVorzüglichsten an, unter welchen er: Maria ineiner Glorie, nach Bergmüllcr die Familie einesVenetiamschcn Nobile, durch die christlichen Tu-genden zn den Füßen der Maria geführt, nach P.Caliari die Taufe des H. Augustins, »achPittoni und besonders eine Mutter Gottes,welche aus den Wolken dem St. Franzisc völligenAblaß ertheilt,ach C. Th. Scheffler, als ein vor,zügliches Blatt auszeichnet. Bey Fäßli dannfinden sich von ihm: Hcrodias nach C- Dvlce(l. 82.); Maria mit dem Kinde, in einer Glorie,unterdem LircldesSr. Sebastians bekaniittik. 81.);Christus, der die Käufer und Verkäufer aus demTempel treibt, von I. Baffano, nach HutinsZeichnung ( 1 !l. 87- 88.); die Ehebrecherin von A.Schiavone, nach Dacciarelli's Zeichnung (ib. 10g10.), und die Anbetung der Weisen, nach P. Vero,nese (ib. 142.) alle aus der Dresdner -Galerie,und für das Werk dieses Namens gestochen; wovonbesonders der malerische Geschmack in dem zweytgenannten Blatte, nach Correggio , gerühmt wird.

(Wolfgana), des obgenannken altenBarrholoine' A. zweyter Sohn, Zeichner, Kupfer,stecher und Kupferätzer. Als sein älterer BruderLukas , mir dem er überhaupt in der Kunst rivali,sirte, aus Italien zurückkam, sandte sein Stief.varer, D. Custos, unsern Nlolfgang dahin, unddie Blatter, welche er, haupnachlich nach Vene,tianischen Meistern gestochen hat, beweisen, wiewohl er dorr seine Zeit angewandt habe. Nach seinerRückkehr hcyrathete er die Tochter des Bürger-meister Audeisen, und zeugte in dieser Ehe ih.Kinder, von denen indessen nur drey Söhne unddrey Töchtern zu mannbaren Jahren kamen, wel,chen er eine vortrefliche Erziehung gab. Dieserstarke Haushalt, nebst dem i» seinen beßten Jahrenwüthenden dreyfflgjährige Krieg waren Ursache, daßer einerseits seine Arbeiten selten mehr mit dem Geistund dem Fleiße beendigen konnte, wozu er sonsthinlängliche Fähigkeiten besaß, und anderseits sichvon da an meistens mit Bildnissen beschäftigte.Erstarb 1662. Ikeniicr (heißt es bey Rost l. 2 ,4.)schätzen besonders sein großes Blatt von zweyPlatten, welches des Pfalzgrafen Carl Gustavsin 164g. zu Augsburg gehaltenes Fest des West-phälischen Friedens vorstellt, worauf sich 5 o. ähn-liche Portraits befinden. Wir vermuthen aber,daß solches mit der, eben dieser Fcyer wegen ge-haltenen Mahlzeit auf dem Rathhaus zu kJürnberg(deren auch im Lexikon Erwähnung geschieht) nachI. von Sandra«, verwechselt werde (obgleich wirletztres Blatt irgendwo von 5 o. dakirt finden).Ein Verzeichniß meines sel. Vaters führt von ihman die loo. Bildnisse, Rost aber (I. 24546.) die

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