Band 
Vierter Band. F bis G.
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Griechische ^Literatur (2. Periode)

wir bis zum Einfall der Herakliden und Dorier in den Peloponnes , und den dadurchbewirkten bedeutenden Veränderungen, also bis 80 I. nach dein trojanischen Kriegesetzen, und mit dem Namen der vorhomerischen Periode bezeichnen können, erman«gelt also der Literatur gänzlich; es fragt sich aber, ob auch aller literarischen Bil-dung? Es verräth Unwissenheit und Mangel an historisch-literarischcm Sinn, jeneFrage durchaus verneinen zu wollen; denn auch dem Falschen, was aus dieser Pe-riode erzählt wird, liegt noch Wahres zum Grunde, das man nur richtig verstehenmuß. Unter den literarischen Bildungsbeförderern dieser Periode hat man 3 Clas-sen zu unterscheiden: 1) solche, von denen man keine Schriften kennt, die aber alsErfinder, Dichter, Weife genannt werden: Amphion, Demodokos, Melanipus,Ölen, Phemios, Prometheus; 2) solche, denen man nicht mehr vorhandeneSchriften fälschlich beilegt: Abaris, Aristeas , Cheiron, Epimenides, EumolpoS,Korinnos, Linos, Palamedes; 3) solche, von denen man noch Schriften hat, dieihnen aber in spätern Zeiten untergeschoben sind: DareS, Dikiys, Horapollon, Mu-saos, Orpheus , die Urheber der Sibpllinischen Orakel. Es ist hier der Ort nicht,zu untersuchen, ob und wie viel Echtes sich in diesen untergeschobenen Schriftenfinde, genug, daß schon der Gedanke des Unterschiebens selbst ein früher vorhandenGewesenes bezeugt. Und wie wäre es auch möglich gewesen, daß die folgende Pe-riode wie aus dem Nichts, ohne alle Vorbereitung, hervorgegangen wäre! Fassenwir nun Alles zusammen, was gewesen sein misste, wenn das Folgende sollte werdenkönnen, so ergibt sich aus den mancherlei Sagen von der vorhomerischen Periode,daß es in ihr'Anstalten gab, welche durch Religion, Poesie, Orakel, Mysterien, zurEntwilderung der Nation, zur Beförderung der Cultur, wol meist auf orientalischeWeise, und vielleicht, vom Orient selbst ausgegangen, nicht unkräflig wirkten, unddaß diese meist priesterliche» Anstalten vornebmlich in den nördlichen Theilen vonGriechenland, Thrazien, Macedonien ihren Sitz hatten. Bemerken muß man hier-bei, daß dieBildung in Griechenland weder aufeinmal gedieh, noch bei allen Stäm-men zugleich sich zeigte, daß Griechen nur im Verfolge der Zeit zu Griechen wurden,und einzelne Stämme sich hierin früher als andre hervorthaten. Etwa 80 I. nachdem trojanischen Kriege begann i» den Grenzen Griechenlands ein neues Drängenund Umherziehen, ein Theil der Einw. wanderte aus dem Mutterlande nach denInseln und Kleinasien aus, eine Verpflanzung, welche für den griechischen Geniusäußerst heilsam war, denn auf dieser Hafenreichen Küste und den benachbarten In-seln, von der Natur zu Handel und Betriebsamkeit bestimmt, fand nian nicht nurein ruhigere« Leben, sondern auch größere Bildungsmütel, durch welche in diesemKlima eine neue Lebensweise entstand. Die Alten legten den Colonicn in Ionien und Kleinasien den Charakter der Üppigkeit und des Lebensgenusses bei. Annehm-lichkeit und Vergnügen waren die Hauptzwecke ihres Lebens. Sanfte Umrisse,blaues Meer, reiner Himmel, schmeichelnde Luft, die feinsten Früchte und schmack-haftesten Kräuter im Überfluß, alle Erfodernisse des Lupus, erstellende Thäler undwechselnde Berge sagten ungemein jener schönen Sinnlichkeit zu, und blieben nichtohne Einwirkung auf den Geist. Dichtkunst und Philosophie, Malerei und Bild-hauerei erreichten hier ihre schönste Blüthe; man mochte aber große und heldenmü-thige Thaten lieber erzählen als ausführen. In der Nähe der Hauptscencn desersten wirklichen Nationalunternehmens der Griechen, des trojanischen Kriegs, wares wol kein Wunder, wenn die Theilnahme daran hier größer, die Phantasie davonmächtiger aufgeregt wurde, und so fand hier die Poesie einen Stoff, durch dessenDarstellung sie selbst einen Charakter annehmen mußte, ganz verschieden von demin der vorigen Periode. Bei allen Nationen blühte mit dem Heldenthum zugleichdie Heldenpoesie auf; hier folgte den Heroen der erzählende Sänger, und es bildetesich das Epos. Wir nennen deßhalb diese zweite Periode das epische Zeitalter derGriechen. Der Sänger (Aödos) erscheint nun getrennt von dem Priester, jedoch