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Geschichte der alten Grafschaft Thurgau mit Inbegriff der Landschaften und Herrschaften Kyburg, Thurgau, Abtei und Stadt St. Gallen, Appenzell und Toggenburg von ihren ältesten Zeiten an bis zum Uebergang der Landeshoheit an die Eidgenossen
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Gehorsam finden. Während der König in Baiern verweilte und dieandern Reichsgrenzen unbedeckt blieben, erschienen die Ungarn aber-mals in Alamannien und setzten ihre Raubzüge bis in das Elsaß fort.

Nach Erchangers Tode trat Burkhard als Herzog aus. Er durstedas um so eher wagen, weil des Königs Heer in Baiern Mißerfolghatte und eine empfangene Wunde ihn auf das Siechbett warf undseinen Tod herbei führte (23. Dezember 918). Der im April 919neugewählte König Heinrich I., ein Sachse, mußte die Erhebung Burk-hards zum Herzog von Schwaben als vollendete Thatsache hinnehmen,und in Alamannien selbst war niemand mehr, der sich derselben ent-gegenstellen konnte. Das Blut des Markgrafen Burkhard und Erchan-"gers war also umsonst vergossen.

Jetzt war auch der Widerstand des Abt-Bischofs Salomo gebrochen.So viel hatte er im Verein mit Erzbischof Hatto und der hohenGeistlichkeit Deutschlands erreicht, daß das deutsche Reich nicht aus ein-ander gerissen, daß Karl der Einfältige und mit ihm das Westreichsich des östlichen, des deutschen Reiches nicht mehr bemächtigen konnte;dagegen hatte freilich die herzogliche Gewalt die Uebermacht erlangt,was den Prälaten mit schwerem Kummer erfüllen mußte. Dabeimachte er sich schmerzliche Vorwürfe über den Tod der Kammerboten.Daß König Konrad ihren Tod forderte, weil er ihre Verbindung mitHerzog Arnulf von Baiern fürchtete, konnte den Bischof nicht beruhigen;daher reiste er nach Rom , von dem heiligen Stuhle Ablaß zu erbitten.Von dort brachte er nebst vielen andern Reliquien die Gebeine desheiligen Pelagius zurück, desjenigen Heiligen, an dessen Gedächtnistageer aus der ihm von den Kammerboten bereiteten Todesgefahr errettetworden war. Er ließ dessen Gebeine in einem köstlichen Schrein ver-wahren und in Constanz , Bischofszell und an andern Orten des Bis-thums der Verehrung der Gläubigen aussetzen. Ueberhaupt aber widmeteer sich fortan ausschließlich den Obliegenheiten seiner kirchlichen Aemter.Sein Leben schloß er am 5. Januar 920.