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Geschichte der alten Grafschaft Thurgau mit Inbegriff der Landschaften und Herrschaften Kyburg, Thurgau, Abtei und Stadt St. Gallen, Appenzell und Toggenburg von ihren ältesten Zeiten an bis zum Uebergang der Landeshoheit an die Eidgenossen
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Fünftes Oucü

Von Herzog Burkhard I. bis zur Regierung König

Konrads II.

1. Herzog Burkhard I. (917926).

Seit Udalrich gegen Ueberlassung der Grafschaft Churwalen dieGrafschaft Thurgau dem Grafen Burkhard ausgetauscht hatte, fieldiesem auch der nahe Hegau zu, der dessen Oheim Adelbert zu gehorchengewohnt war. Mit Graf Eberhard, der, seit Kaiser Arnulf den KönigRudolf von Hochburgund gedemüthigt hatte, als Schirmvogt und Graf(886, 889, 891) den Aargau und Zürichgau verwaltete, war Burkharddurch Blutsverwandtschaft verbunden; denn Eberhards Tochter Regin-linde war Burkhards Gemahlin. Auch in entferntern Kreisen Schwabens durfte dieser auf freundschaftliche Gesinnungen zählen, besonders beidem Gemahl seiner Schwester Dietbirg, Graf Hupald von Dillingen,dem Vater des heiligen Ulrich, Bischof von Augsburg ; dann aber auchbei allen denen, die es schmerzte, daß andere deutsche Volksstämme beiden Königswahlen Stimmrecht üben, nur die Alemannen davon aus-geschlossen sein sollten.

Widerspruch konnte jedoch auch innerhalb der Landesgrenzen nichtausbleiben, als der neue Herzog und Graf zur Erfüllung der Heer-bannspflichten mahnte. Die Mönche der Reichenau, um dem neuenGebieter nicht zu gewähren, was nur dem König gebührte, zogen vor,in die Verbannung zu gehen; die von St. Gallen , die sich desselbennicht erwehren konnten, ließen geschehen, daß er Kleinode und Silber-und Goldgefäße sich aneignete und seine Krieger in der Landschaft desKlosters auf Beute ausgingen. Auch die Mönche von Rheinau klagtenüber Schädigungen, die sie durch den Aufstand Burkhards erlitten hätten.Dieser aber behauptete, daß er nur dem Volke der Alamannen sein altes,ihm lange vorenthaltenes Stammrecht zurückgewonnen habe, und achteteauch des Fluches nicht, den die heilige Wiborada auf ihn warf.

Die erste Kriegsgefahr bereitete dem Herzog Burkhard KönigRudolf II. von Burgund . Seiner Herkunft nach ein Wels von Altorf