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Bürgern schienen sie bald unentbehrliche Glieder der menschlichen Ge-sellschaft zu sein; sie wurden aber als unnachsichtige Gläubiger ver-armter und leichtsinniger Schuldner auch Gegenstand allgemeinen Hasses.Mit diesem Hasse verband sich der Vorwurf des Unglaubens und derKetzerei, und daran knüpfte sich eine Berfolgungssucht, die keine Ge-waltthätigkeit sparte, um an den Juden für das dem Stifter der christ-lichen Religion und seinen Jüngern zugefügte Unrecht Rache zu nehmen.Zum Unterschiede von andern Leuten mußten die Juden an ihrenKleidern besondere Abzeichen, namentlich spitze Hüte tragen.
Da sie weder als Freie noch als Hörige noch in Bezug auf Staatund Kirche andern Landeseinwohnern gleichgestellt waren, wurden sieals des Reichs Kammerknechte mit besondern Steuern belegt, aber dafürunter des Reiches Schutz gestellt. Mit dem Bezug dieser Reichssteuerwurde es freilich genauer genommen als mit dem ihnen verheißenenSchutz.
Von dem Geschäftsleben der Juden wie von den ihnen wider-fahrenen Verfolgungen weist die Regierung Ludwigs des Baiern undFriedrichs von Oesterreich mancherlei Beispiele aus. Die gleichzeitigenNachrichten des Minoriten Johannes von Winterthur und des con-stanzischen Domherrn Heinrich Truchseß von Dießenhofen heben beson-ders hervor, was innerhalb des alten Thurgaus und in dessen Nachbar-schaft über die Juden der Nachwelt überliefert werden sollte.
Friedrich der Schöne als römischer König, mit seinen BrüdernLeopold und Heinrich, schrieb und befahl 1317, den 6. Dezember, vonSchasfhausen aus an den Rath in Konstanz , daß den dort wohnendenJuden auf vier Jahre volle Steuerfreiheit verliehen sei für die Dienste,welche sie dem König geleistet, und daß Ammann, Rath und Bürger,wenn jemand die Juden weiter zu bedrängen suche, davon Anzeige gebensollten. Daraus folgt, daß die Juden vier Jahre voraus, d. h. vor-schußweise, die gewohnte Judensteuer bezahlt hatten.
Im Jahre 1330 ertheilte der Kaiser Ludwig dem Grafen Eber-hard von Nellenburg um die Dienste, die er ihm leisten sollte, aufdrei Jahre eine Anweisung von 1000 Pfund Heller auf die Judenvon Konstanz von ihrer gewöhnlichen Steuer. Diese hohe Summebeweist, daß die Judenschaft zahlreich war und gute Geschäfte machte.Der Betrag der Steuer zu Schaffhausen muß sich aber noch höherbelaufen haben; denn Ludwig verkaufte dieselbe im gleichen Jahr