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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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lei oder Heuchelst»«/ nicht leerer Popanz/ sondern redlicheAnerkennung des ausgezeichneten Charakters seines Abtes/als eS ihm schon in der ersten Hälfte seiner Regierung einDenkmal öffentlicher Verehrung auf einem Gange der Abteisetzte/ mir der schönen Devise: »der liebenswürdigeBeda«

2. Die Theurung von M»; Beda rettet sein Volk vonHungcrSnoth.

Beda hatte kaum im äten Jahre den Krummftab ge-führt/ alS die Theurung von 1770 hereinbrach. Anhaltendekalte Witterung auch in den Sommermonaten / und häufigeNebel / die stch in Regen auflösten/ hatten sie herbeigerufen;die Blüthe an den Bäumen und an dem Rebstocke verdarb/die Erndte der Getreidearten wurde verspätet und fiel sehrkarg aus/ und an einigen Orten gieng das Heu/ weil dieSonne zu dessen Sammlung fehlte/ zu Grunde. Bald wurdeder durch Mißwachs entstandene Mangel an Früchten auchim St. Gallischen Lande empfindlich. Denn obwohl man da-selbst etwas Ackerbau treibt/ fo reicht doch dessen Ertrag auchin guten Jahren bei weitem nicht hitt/ die Bedürfnisse derEinwohner zu befriedigen; es muß also jährlich eine großeQuantität an Korn von Schwaben her auf dem Markte zuRoschach bezogen werden. Aber schon im Herbste desselbenJahres wurde die Zufuhr von daher untersagt und es wurdeden St. Gallischen Landleuten sogar verboten/ Korn zuBischofSzell/im Thurgau/ zukaufen. Der-Fürstabt Bedawandte sich an den Herzog von Würtembeeg; aber es wardnicht hinlänglich entsprochen.

Die Theurung und Noth griff bald in einem furchtbarenGrade um sich und das Volk fieng zu murren an. ES äußerteseinen Unwillen zuerst gegen die fürstlichen Beamteten / den

H Dieses Denkmal bestand in einer Ehren - und Gedächtniß-tafel mit allegorischen Figuren und Deutungen. Frühere Liebtehatten solche erst nach ihrem Tode erhalten.