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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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Statthalter und Obervogt zu Roschach, und tadelte bald diePerson des Fürsten selbst, weil nicht kräftige Maßregelnwider die heranziehende Geisel der HungerSnoth sogleich ge-troffen wurden. Die Stadt St. Gallen gab aber ein schönesBeispiel von kluger Mäßigung und nachbarlicher Freundschaft.Sie verbot nämlich allen ihren Bürgern unter schwerer Strafe,gegen die Regierung und Beamteten deS Stiftes ein Miß-vergnügen zu äußern oder unglimpstiche Worte wider ste ;nbrauchen. Dieses Verbot wurde in allen 4 Kirchen verlesen' und an die Thore der Stadt angeschlagen.

- Dieses beruhigte aber die Aufgebrachten in der Landschaft

' keineswegs. Das ist nämlich, wenn man die Wahrheit reden

1darf, der Charakter unsers Volkes und die Verblendung,

'daß es, an die freigebigste Regierung gewohnt, sobald eine

-Theurung der Lebensmittel drohet, sogleich gegen seinen

' Fürsten sich mit der unverschämtesten Schmähsucht erhebt und

' die Schuld des Uebels ganz auf den wirft, dessen hilfreiche

)Wohlthätigkeit es so oft erfahren hat«*).

- Beda, als Vater seines Volkes, entschloß sich zu einem

) großen, ungewöhnliche» Mittel, dem Brodmangel in seinem

r Lande zu steuern. Er versammelte am 17. Christmonat das

e Kapitel und eröffnete seine Absicht, Früchte um jeden Preis

r aus Italien kommen zu lassen. Einmürhig stimmte das Kapi-

r tel diesem großherzigen Vorhaben bei, und sogleich wurde

e Hr. Loren; Salvini, aus dem Tridentinischen gebürtig,

n damals Buchhalter des Handelshauses von Bayer in Ro-

a schach, nach Wclschland geschickt, der eine hinlängliche Menge

d von Korn, sogar ägyptisches , dort fand, ankaufte und über

die Alpen inS St. Gallische schickte. Dieses kostete die großen Summe von 200,000 st., welche Beda zu borgen gezwungen

e war; aber cv rettete dadurch sein Volk von der Gefahr deS

n Hungertodes l War das Opfer wohl zu theuer

l- *) Tagcb. P. G. BrandenbergS, I. Th. S. 91.

2 D Eg sielen leider gar manche Opfer der Theurung im Appen-zellcrlande und die Geburts- und Strichlisten bewiesen ihre Fol-