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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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und blühender gewordene Handel/ hatten den wohlthätig-sten Einfluß auf die Bildung und häuslichen Umstände derSt. Gallischen Landeöbewohncr. Die Denkkraft wurde regeund selbstthätig; man erkannte und rügte in Gesellschaften dieFehler einer Verfassung, die ihre Schwäche an der Stirnetrug. Auch ausländische Ereignisse gaben Anlaß und Muth/davon zu sprechen.

13. Nähere Ursachen des Mißvergnügens.

Nicht der liebenswürdige Beda / welcher sein Völkchenso patriarchalisch regierte/ rief daS politische Ungewitterherbei/ welches 1796 an St. GallenS Horizont aufzog; erthat vielmehr AlleS/ dasselbe noch in der Zeit zu beschwö-ren / und bei dessen Auöbruche konnte nur seine HerzenSgütetumultuarischen Auftritten und heftigen Explofionen einenDamm entgegensetzen.

Aber jene unglücklichen Werkzeuge/ deren wir schonerwähnt? welche die Finanzen des Stiftes in Zerrüttungbrachten / führten auch durch ihre politischen Mißgriffe daSöffentliche Mißvergnügen über die LandeSadministration herbei.

ES gab einige Statthalter/ die Willkühr liebten undden Vorstehern der Gemeinden mit Trotz und Verachtungbegegneten. P. Honorat Peyer/ der 1786als Statthaltervon Roschach starb / äußerte sich oft mit dürren Worten:Ich bin das Recht/ daS Landmandat.' ich bin zu Ro- schach allein Herr; Andere sind nur Unterthanen und Leib- eigene des Stiftes." Auch pflegte er zu sagen: ,, Wasnützen wohl die Rechte/ wenn man sie nicht brauchendarf?" Ein anderer/ vom kostspieligsten Baugciste ergriffe»/führte zwecklose Gebäude auf/ stellte darin Wirthschaftenzum Nachtheile der schon bestehenden Tavernwirthe an/ begün-stigte sogar in Nebenzimmern von Ställen das Weinschen-ken und privilegirte die daselbst vorhandenen Klofterdiencr/um das Volk hinzulocken/ an solchen Tagen tanzen zu las-se»/ an denen es andern Gastwirthc«/ die ihr Umgeld und