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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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68
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nen. Mit desto mehr Freimüthigkeit und Kraft sprach mandaher gegen bemeldete Akte, so daß selbst die, welche, ein-stimmig mit dem Abte, sie als ein Produkt absoluter Noth-wendigkeit, um die Gräuel der Anarchie zu verhüten, be-trachteten, den Muth nicht hatten, für ihre Ratifikation zusprechen. Man verweigerte also standhaft, ihr daß Konvent-stgill beizudrückcn,bisBcda, von den Ausschüssen gedrängt),solches mit allem Ernste forderte. Auf die Drohworte, welcheer im ersten Momente gereizter Empfindlichkeit fallen ließ,hätte kein solches Gewicht gelegt werden sollen, als wenndenselben die am 20 . Jänner 1796 erfolgte Besieglung desTraktates von Seite des Kapitels einzig bcizumcssen wäre ^).Sehr wichtige politische Rücksichten hätten ohnehin die Mehr-heit der Kapitularen bewogen, diesen Schritt zu thun. Washätte auch eine längere Weigerung für Resultate herbeige-führt? Hätte sie nicht vollends Stift und Landschaft an denRand deö Verderbens gebracht? Und jede einseitige Unter-nehmnng des Kapitels wäre von höher» auswärtigen Behör-

HDie Ausschüsse begriffen gar wohl, daß ohne das Siegel«des Kapitels das zwischen dem Fürsten und dem Lande errichtete,«von einer Seite schon besiegelte und von 33 Ausschüssen untcr-«zeichnete Instrument nimmer seine Gültigkeit erhalten würde,«wenn nicht zumal das Konventsiegel daran hienge. Dieses her-«zugeben weigerten sich bisdahin noch unsere Siegelbewahrer und«mit ihnen das fast einhellige Konvent. Dafür nun wurde daSheu-

tige 6 si>üulum angesagt.Tags zuvor hatte es gar nicht

«den Anschein, daß sich das Konvent zur Signatur verstehen würde.Nun aber wendete sich das Blatt, und sie gieng durch. Sämmt-,, liehe Kapitularen begriffen gar wohl, wie äußerst nachtheilig der«ganze Traktat für das Stift wäre. Aber es war bereits zu weitgekommen, und wir hatten nebst der Gefahr, uns noch großem«Uebeln bloß zu geben, nirgends in der ganzen Welt eine Stütze:«keine von den Kantonen, keine von der Kongregation (der Bene-diktiner in der Schweiz), von der Nuntiatur, Pabste. So muß-«ten wir endlich, um größeres Elend zu verhüten, das thun, was«wir nicht wollten." Tageb. G. Br. t 796 . S. 292 u. 293.

») Gesch. des Kant. St. Gallen, 3 ter Thl. S. 643 .