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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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unterzeichnete Instrument den Ausschüsse» / welche er an seinenTisch lud und mit Beweisen von Wohlwollen sehr angenehmüberraschte. Hätte er fortgefahren / so nach dem Sinne undHerzen des guten Beda zu handeln, wie bald hätte er sichim Besitze der Liebe und des Zutrauens seines VölkgenSglücklich fühlen können! Aber dieses traute ihm nie, undein Theil desselben überhäufte ihn bald wieder mit Schimpfund Lästerungen ^).

36. Der neue Landrath; Revision des Landmanda-tes; dieStadtWyl verlangt mehrere Freiheiten.

Vermöge letzterer Konvention erhielt die Alt-St. Gal-lische Landschaft das Recht/ einen Landrath von 51 Gliedernaufzustellen/ welche von den Amtsgemeinden der 5 Aemterdurch freies Stimmenmehr je von 3 zu 3 Jahren gewähltwerden sollten. Dieser Landrath ernannte dann aus seinerMitte einen Landrathsobmann, einen engern AuSschuß von11 Gliedern/ und einen Landesseckelmcister; ferner einenLandrathsschreiber und Weibel. So war demnach das rast-lose Streben der Ausschüsse nach demokratischen Formenguten Theiles befriedigt.

Die Obliegenheit des Landratheö war/ für Aufrechthal-tung der allgemeinen Rechte und Freiheiten des Landes undder besondern Rechtsamen der Gemeinden zu wachen, wie sieder Vertrag von 1795 und die nachherigen Erläuterungendesselben bestimmt und zugesichert hatten/ alles laut der Land-rathsordnung/ welche mit den letzten Erläuterungen verfaßtund festgesetzt wurde.

Schon unterm 13. August, einzig auf die Garantie dervermittelnden Schirmorte gestützt/ nahmen die Amtsgemein-den die Wahlen des Landrathes vor sich / und bei dessenerster Versammlung am 16. wurde Johannes Künzle

')Es ist nicht leicht zu sagen, mit welcher Wuth, mit wel-schen Beschuldigungen und Schimpfreden böse Menschen gegenden Abten loszogen." Tageb. P. G. Br. I. Th. S. 297.