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zosen, die nun mit aller Macht auf die Einführung der neuenKonstitution für eine Eine und untheilbare helvetische Repu-blik drangen; hier und da reizten Geistliche beider Konfes-sionen die ohnehin schon erhitzte Einbildungskraft des Volkesnoch durch die Vorspieglung: die bemerkte Konstitution ent-halte mehrere Punkte gegen die christliche Religion und ihreAnnahme würde den Verfall der letztem unfehlbar zur Folgehaben; selbst das Geistliche Ofsizium von St. Gallen führtein seinem Aufrufe vom 8. März eine Sprache, die den gros-sen Haufen das Politische beinahe ganz vergessen machenund die Fehde milden Franken — als Kampf für Gott unddie Altäre angesehen wissen wollte. So hieß esB. darin:„Euch, tapfere Brüdcr, die ihr bereit steht für die heilige„Religion und für das Vaterland zu kämpfen — und zu sie-ben oder zu sterben; euch ermähnen wir zuerst: fanget daS„große'Werk mit Gott an!" u. s. w.
Die Konferenz zu Brunnen am 2st. März und nachheram 2. April in Schwyz trug auch das ihrige bei, das Volkzum Widerstände gegen die Forderungen fränkischer Generaleund Kommissärs noch mehr zu reizen. Die kleinen Kantone,im cdeln Gefühle der von ihren Ahnen ererbten Männer-kraft, boten die waffenfähige Jugend zum Streit mit denKriegern der großen Republik auf, wenn Liese es je wagensollten, den klassischen Boden der Freiheit zu betreten oderverwegene Hand an das Heiligthum ihrer Verfassung zu le-gen. Krieg gegen die Franken ward nun auch in den neugeschaffenen Demokratien allgemeines Losungswort, das aberbald, sogar im Munde der hitzigsten Eiferer, kleinlaut ver-hallte H.
Die Bande der kurz zuvor geknüpften gesellschaftlichen Ord-nung wurden immer lockerer; Harte und Linde rieben sich
Am kriegslustigsten war wohl das Völkchen im Rheinthale,denn Reisende sahen längs dem Ufer des Rheines bis zum Hir-schcnsprunge eine Anzahl von drei Würmern! die Flinten vomRoste säubern und andere Waffen bereiten! —