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Geschichte des ehemaligen Stiftes und der Landschaft St. Gallen unter den zween letzten Fürstäbten von St. Gallen, besonders während den Jahren der helvetischen Revolution bis zur Aufhebung des Stiftes / von Franz Weidmann, gewesenem Mitglied des aufgehobenen Stiftes St. Gallen und vormaligem Bibliothekar an der kathol. Kantonal-Bibliothek in St. Gallen
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wieder feindselig; letztere schienen eine kurze Weile zu tri-umphiern, schalten jene mit dem gehäßigen NamenFran-zosen" und rächten sich hie und da an ihnen durch Wie-dervergeltung leidenschaftlicher Handlungen. Wie leicht mußtees jetzt einem auswärtigen Feinde werden, so viele kleinezersplitterte Staaten, die keinen festen Stützpunkt mehr hat-ten und deren Einwohner sich selbst unter einander befehde-ten, zu unterjochen!

4Z. Tumult» arische Auf tr ittezuArbon und B rüg gen;feindselige Anschläge gegen die Stadt St. Gallen.

Je weiter, während dieser unseligen Spannung der Gc-müther in der östlichen Schweiz, die fränkische Armee gegendie Reuß und Limmath vorrückte, desto banger wurde es denVaterlandsfreunden, die wahren Patriotismus mit klugerBesonnenheit paarten. Diese sahen beim heillosen Spiele derFaktionen keine andere Rettung, als in der Annahme derneuen helvetischen Konstitution, welche der kühne fränkischeBefehlshaber an der Spitze sieggewohnter Truppen mit stol-zem Uebermuthe gebot. Sie riechen also zur Mäßigung undNachgiebigkeit, als dem einzigen Mittel des Heiles, um beiden damaligen kritischen Zeitumständcn von den Gräuelneines Krieges verschont zu bleiben.

Allein dieß war schon ein Verbrechen und der schänd-lichste Verrath an Religion und Vaterland in den Augensolcher Menschen, die voll falschen Wahnes durch ohnmäch-tigen Trotz ein zermalmendes Ungewitter von sich entfer-nen zu können glaubten, daS bereits in düstern Wogen übersie schwebte. ES bildeten sich, vorzüglich im ehemaligen Ro-schacheramte, störrische Rotten, die eS unternahmen, Thät-lichkeiten gegen solche zu verüben, die man für Freunde derso verhaßten Konstitution hielt.

DaS Thurgauische Städtchen Arbon mußte ihre Wuthvorzüglich empfinden. Man hatte seine Bürger, besondersdie Evangelischen, im Verdachte eines geheimen Beitrittes zum