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mehr besagten helvetischmKonstitutionSplane/ und beschloß da-her/ solche dafür zu züchtigen. Unter dem Verwände/ ein in dor-tiger Pfarrkirche wunderwirkendeS Kreuzbild abzuholen/ dessenBesitzes die treulosen/ unchristlichen Bürgernichtmehr werth wä-ren/ wurde in den Gemeinden Grub / EggerSried und in den be-nachbarten Seegcmeinden der Landschaft St. Gallen die ganzeMannschaft auf den Ostermontag (9. April) dahin aufgeboten*).
Diese/ mehrere hundert Köpfe stark/ umzingelte nun dasStädtchen von der Landseite/ warf die kleine Wache amobern Thore und einige Wüthende drangen in die Wohnun-gen der sogenannten Französischgesinnten/ wo sie Thürenund Fenster einschlugen/ die Eigenthümer — die angesehen-sten und rechtlichsten Bürger — mit Gewalt herauörißen undunter abscheulichen Mißhandlungen nach der Behausung desKaplanS/ der eben abwesend war/ schleppten.
Umsonst war die edle Bemühung deö kathol. PfarrersTschudi/ der als wahrer Priester/ wie ein Engel des Frie-dens/ sich in die tobenden Fluchen des gräßlichen Aufruhrswagte/ um die Unglücklichen dem rasenden Pöbel zu entreis-sen; sie wurden mit Fußtritten und Faustschlägen so barba-risch mitgenommen/ daß man für ihr Leben zitterte; dannmußte der Konstitution feierlich abgeschworen werden und einevom VolkShaufen ernannte Kommission sollte jetzt über diepolitischen Angelegenheiten Arbonö wachen. Der Schaden/den diese Horde in den Wohnungen der Mißhandelten ange-richtet hatte/ war beträchtlich. Aber großmüthig verziehendiese ihren Feinden und wollten weder von gerichtlicher Ver-folgung derselben/ noch von Entschädigung etwas hören.
So handelt der wahre Menschenfreund und Christ/ derdas Böse/ welches ihm seine Bruder zufügte»/ vergißt und mit
i) Die Hauptanstifter dieses Zuges kennt man nicht. „Man"sagte/ Hr. Ammann Hedinger/ ein sehr angesehener Mann/,, seyc gezwungen vom Volke bey diesem unsinnigen Zuge gewesen."Tageb. P. G. B r. II. Th. S- — Auf eben diesem Hedingerrührten noch Hoffnungen des Stiftes St. Gallen; aber vergebens.