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61. Der Fürstabt Pankraz besucht das k. k. Haupt«quartier in Kloten; Abreise des Erzherzog-Karl aus der Schweiz.
Indessen wurde Abt Pankraz durch die lange Unthätig-kett' der kaiftrl. Armee bei Zürich, Noch mehr aber durch daSVorrücken der Franken den i5. und 16 . Augustm., vomGott-hard bis an die Ufer der Linth, und wegen deS fehlgeschla-genen Versuchs der Oesterreicher, über die Aare zu setzen (den17. Augustm.), aufs lebhafteste beunruhigt. Noch zum größer»Schrecken mußte er vernehmen, der Erzherzog Karl werdemit einem beträchtlichen Theile deö Heeres die Schweiz ver-lassen , um dem bei Kehl und Mannheim auf daö rechte Rhein-ufer übergesetzten Feinde, der ihn und seine Magazine imRücken bedrohte, entgegen zu eilen. Alles dieses erschüttertedie sonst so feste Entschlossenheit deS AbteS und erfüllte ihn mittrüben Ahnungen einer schwarzen Zukunft. Manches schienihm zwar räthselhaft nnd unbegreiflich, und selbst Gen.Hiller konnte ihm keine beruhigende Aufschlüsse geben; daentschloß er sich zu einer Reise in'S Hauptquartier nachKloten, um selbst zu sehen, zu hören und zu prüfen, wasdas Schicksal über ihn verhängen möchte.
Im Heerlager kaum angekommen, fand er die Verhält-nisse der Dinge noch weit bedenklicher, als er srch'S vor-gestellt hatte. Er sah den Prinzen schon bereit zur Abreise,die den 28. Augustm. auch wirklich erfolgte; er hörte, daß derfränkische FabiuS täglich große Verstärkungen an sich ziehe,und bemerkte deutlich, daß Oesterreich für dieses Mal wenigGewicht mehr auf den Besitz der Schweiz legte.
Bei diesen verzweiflungövollen Aussichten graute eS ihmvor den Augen; er fühlte sich plötzlich aus den Regionenseiner schönsten Hoffnungen nach den düstern Hallen hinge-worfen, wo Götter unerbittlich über daS Schicksal der Sterb-lichen schalten; er sah das zauberische Drama, dessen ersterAkt einer wahren Epopäe für ihn glich, in ein tragisches Endesich auflösen, und theilte die Empfindungen mit beklommener